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Das Leben ist zu kurz für schlechte Ausreden

Wer mit diesem Roman in das Leben der Ermittlerin Laura Gottberg einsteigt, hat den Beginn ihrer Liebesbeziehung zum Commissario in Siena ebenso versäumt wie gefühlte 4000 Cappucchini, Diskussionen mit ihrem Großvater, handfeste Streitigkeiten mit ihrem bornierten Vorgesetzten und die Annäherung an die türkische Familie nebenan. Laura Gottberg ermittelt ja nicht nur in München, immer wieder hat sie Fälle zu lösen, die im wahrsten und damit meine ich geografischen Sinne grenzüberschreitend sind.

Jetzt aber geht es Felicitas Mayall auf besondere Weise an, ihren LeserInnen die Illusion von reinem Gut und reinem Böse zu zerstören. Sie macht es sanft und nachhaltig. Da gibt es den neuen Nobel-Italiener in München, der die frischesten Fische der Stadt hat, die besten Weine weit und breit: Er hat schöne Augen dieser Padrone und ein sanftes Gemüt. Die Familie dirigiert ihn, mit der Fischlieferung aus Frankreich kommen auch Drogen in die schicke Umgebung, das Verteilungssystem ist ausgeklügelt: Auch die Mafia-Methoden haben sich geändert, sind subtiler und salonfähiger geworden. Da schickt einer frischen Fisch und dazu Kokain, der andere verteilt es, das Geld kommt auf ein Konto eines unbescholtenen Immobilienmaklers und wird so gewaschen. „Der Pate“ hätte wohl seine Freude an den neuen Methoden und auch an Laura Gottbergs phantastischer Aufdeckungsarbeit.

Daneben sehnt sie sich nach ihrem Commissario, weiß, dass ihre Kinder beinahe schon erwachsen sind und diskutiert mit ihrem Vater, womit sie die Leere in ihrem Körper wohl füllen könnte. Gutes Essen spielt zwar immer eine Rolle in den Gottberg-Krimis, Trauer und Abschiede nehmen aber einen genauso großen Raum ein wie gegrillte Calamari, eine gute Pasta und frischer Espresso.

„Manchmal wäre das Leben einfacher, wenn man aus zwei Personen bestehen, würde, dachte sie. Dann müsste man auch keine schwerwiegenden Entscheidungen fällen. Man könnte zwei Leben gleichzeitig leben und sich gelegentlich treffen, um Erfahrungen auszutauschen.“

 

Das versäumen Sie, wenn Sie das Buch nicht lesen: Gute Ideen für die eigene Küche, ein Aufpolieren des eigenen Gerechtigkeitsgefühls, die Bestärkung, dass Einsamkeit und Zweifel auch vor ErmittlerInnen nicht Halt machen, dass Angst, Liebe und Verzweiflung zum Leben gehören. „La vita é la vita“ – das Leben ist das Leben, und ja, manchmal ist es auch bella, auch hier viel Bezug zu italienischer Literatur, zu italienischen Intellektuellen, Büchern und Filmen.

Die Autorin lebt in der Nähe von München, außer sie gerade in Australien oder recherchiert in Italien, der vorliegende Band ist die neunte Folge der Laura-Gottberg-Serie.

 

 

Felicitas Mayall:

Schwarze Katzen.

Laura Gottberg ermittelt.

Roman. Reinbek:

Rowohlt Verlagsgruppe 2014.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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