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Die Bläuels - eine alternative Beziehungsgeschichte
Formen menschlichen Zusammenlebens gibt es viele. Doch welche machen langfristig glücklich? Das Ehe-, Unternehmer- und Aussteigerpaar Burgi und Fritz Bläuel hat einige erprobt.

Ihr Mittagsmahl nehmen Burgi Bläuel (57) und ihr Mann Fritz (64) auf der Terrasse einer Taverne ein. „33 Jahre, also eine Ewigkeit“, sind die beiden „Wahlgriechen“ aus Wien schon verheiratet, und immer wieder fragen sie sich, wie sie diese Zeit bloß gemeistert haben. Während Burgi Bläuel ihren Stuhl wegrückt, mit temperamentvollen Handbewegungen ihre Mähne bändigt und ihr gebräuntes Gesicht ins Licht hält, schützt Fritz Bläuel seinen blassen Teint im Schatten, gießt stilles Wasser in sein Glas und schweigt. In der Ruhe verharrt er auch, als seine Frau bei der Essensbestellung den Ton angibt. Kurze Zeit später, als sie seine bedächtige, philosophierende Art ermüdet, springt sie vom Stuhl auf. „Bleib sitzen, aber ich mach jetzt lieber mein Ding!“, sagt sie und ist weg.

Die Bläuels, sie sind wie Yin und Yang: gegensätzlich und doch aufeinander bezogen. Geht sie auf Konfrontation, entschärft er die Spannung mit einem milden Lachen. „So war es schon 1982, als ich hierher nach Pyrgos kam. Jedes Mal, wenn Fritz lächelte, freute ich mich“, erinnert sich Burgi, als sie im großen Amphitheater ihres Seminarhotels steht. Im Sommer richtet sie hier Musikfestivals aus, jetzt nutzt das Paar den Platz als Bühne für sich.

GESCHICHTE IM GEPÄCK
„Alles begann, als meine Schwester nach einem Urlaub bei Fritz erholt nach Wien zurückkehrte. Da wollte auch ich hin, um meiner Sinnkrise zu entfliehen“, gesteht Burgi. Keinen Biss zu haben und weder in der Liebe noch beim Musikstudium erfolgreich zu sein, habe an ihr genagt. Ihre „Konturlosigkeit, Traurigkeit und Bodenlosigkeit“ sei nicht mehr zu übersehen gewesen, ihr Selbstbild einem „ausgefransten Putzlappen“ gleichgekommen: „Ich fühlte mich dick, hässlich, unbegabt. Das Geigenspiel, das ich so liebte, verursachte Bauchweh und Ängste. Also tingelte ich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion los.“
Dass sich hinter der damaligen Blockade mehr als anerzogenes Leistungsdenken verbarg, erkannte Burgi Bläuel erst nach mehreren Familienaufstellungen. Da wurde der Tochter eines Bankers und einer talentierten Klavierstudentin bewusst, wie sehr ungelebte Träume ihrer Eltern ihr eigenes Leben beeinflussten: „Weil meine Mutter als Ehefrau ihrer Berufung nicht nachgehen konnte, wünschte sie sich für mich eine Musikerkarriere“, erzählt sie.
Auch Fritz Bläuel trug, als Burgi seinerzeit vor ihm stand, bereits eine Geschichte mit sich herum. Er war 30, führte ein Eremitendasein und hielt zu seiner Familie, die im Niederösterreich der 1950er-Jahre ein desolates Berghotel wiederbelebt hatte, kaum Kontakt. Ihr Verständnis für seine Art zu leben war zu jener Zeit begrenzt. „Als ich 1952 als erstes von fünf Kindern in eine Welt voller Kriegstraumatisierter und Betrunkener hineingeboren wurde, waren noch die Russen da. Meine Eltern waren mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Deshalb schauten die Großeltern auf mich“, sagt er. Im Wald genoss er seine Freiheit, die „im grauen, tristen Wien“, wo er zur Schule ging, ein jähes Ende fand. Das Stadtleben fiel ihm schwer. Dennoch inskribierte er Medizin, den Eltern zuliebe.

Lesen Sie weiter in „Welt der Frau“ 11/16.

Eine Paargeschichte

Burgi und Fritz Bläuel leben seit über dreißig Jahren in Griechenland. Das Paar hat sich beruflich dem Olivenöl verschrieben. Die beiden gemeinsamen Kinder sind bereits erwachsen. Petra Klikovits und Alexandra Grill haben bei ihrer Griechenlandreise das Paar näher kennengelernt. Sie waren beeindruckt von der Offenheit, mit der die beiden über ihre Entwicklung als Paar gesprochen haben.

Erschienen in „Welt der Frau“ 11/16 – von Petra Klikovits