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Die Meisterinnen des Wesentlichen - Was uns spirituelle Frauen lehren.
Wir haben Lehrer für fast alles: Rechnen, Schreiben, Lesen, für gesunde Ernährung und richtigen Muskelaufbau. Wir lassen uns Atmen und richtiges Auftreten erklären, aber wer begleitet uns in der spirituellen Entwicklung? Eine Suche nach den Frauen, die mit uns gehen, wenn es innig wird.

Es gibt Gelegenheiten im Leben, die warten mit Hinweisen auf. Ein Satz nur, ein Gedanke vielleicht, ausgesprochen von jemandem, auf den man plötzlich aufmerksam wird. Ein Glücksfall ist es, genau in dem Moment offen sein und annehmen zu können, was da Gutes auf einen zukommt. Oder das Gehörte in sich zu bewahren, sodass es sich wie von selbst wieder auftut, wenn es gebraucht wird. Meine Oma zum Beispiel sagte solche Sätze zu mir, an viele davon habe ich mich erst viel später erinnert und habe sie als erleichternd empfunden. Das waren bei Gott nicht immer hochtrabende Botschaften, sondern einfache Feststellungen. „Die Kräuter für den Tee sammeln wir selbst“, sagte sie zum Beispiel. „Du hältst ganz schön viel aus. Pass ein bisschen auf, dass du nicht immer so stark bist“, meinte sie. Von ihr konnte ich das gut annehmen. Und ich sammle Kräuter, weil ich mich ihr dann nah fühle, und denke in schwachen Zeiten an sie und daran, dass sie mein „Auslassen“ jetzt gutheißen würde.

ERLEICHTERNDE ERKENNTNISSE
Wenn es im Leben ganz schön viel auszuhalten gibt, dann findet man Beistand nicht nur bei Familie und FreundInnen, sondern sucht Hilfe ganz bewusst auch von außen. Ich habe das mehrmals in meinem Leben getan. Irgendwann begriff ich auch, dass da niemand kommt, der mir die Lösung präsentiert und mir dann auch noch das Handeln abnimmt. Da war viel Unverständnis und Widerstand auf meiner Seite, bis ich so weit war. So weit nämlich, das glückliche Zusammentreffen von Anregungen und Selbstverantwortung zu erkennen und in die Gänge zu kommen. In diesem Prozess hat sich in mir auch etwas entwickelt, was man gemeinhin wohl Spiritualität nennt. Die Auseinandersetzung mit meinem Dasein, meinen Hürden, meinen Chancen hatte die für mich erleichternde Erkenntnis mit im Gepäck, dass ich eingebunden bin in etwas großes Ganzes. In etwas, worauf ich keinen Einfluss habe und was es, wenn ich mich nicht weiter wehre, immer wieder gut mit mir meint. Eine meiner Lehrerinnen sagte einmal zu mir: „Der Sinn des Lebens ist, zu leben.“ Was für ein schlichter, befreiender Gedanke!

Lesen Sie weiter in „Welt der Frau“ 12/16.

„Der Weg führt durch das Feuer der Liebe“

Christa Spannbauer schreibt über ihre spirituelle Lehrerin Annette Kaiser.
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© Janne Peters

„Ich folge der Stimme des Herzens“, sagt sie. Hierfür geht die spirituelle Lehrerin Annette ­Kaiser den „pfadlosen Pfad der Liebe“. Vermittelt wurde ihr dieser von Irina Tweedie, der ersten westlichen Sufi-Lehrerin.

Wer diesen spirituellen Weg geht, muss sich keiner Religion zugehörig fühlen. Irina Tweedie bezeichnete sich als Atheistin, ihr Lehrer Bhai Sahib war Hindu und dessen Lehrer Moslem. Annette Kaisers eigener Weg führte sie vom Katholizismus über den Buddhismus hin zum Sufismus. Mutig und selbstbewusst verließ sie schließlich die traditionellen religiösen Wege und machte sich auf die Suche nach einer universellen Spiritualität für den modernen Menschen.
„Aufgrund meiner katholischen Erziehung stand ich lange Zeit voller Ehrfurcht vor diesem mächtigen Gottvater mit seinem Sohn“, erzählt Kaiser. Das änderte sich, als sie in einem Gedicht des Sufi-Mystikers Rumi von der leidenschaftlichen Liebesbeziehung zwischen Gott und Mensch las. Das Herz des Menschen gilt im Sufismus als Ort der Vereinigung mit dem Göttlichen… weiterlesen in der Printausgabe.

Mit konstanter Wärme der Zuneigung

Andrea Roedig schreibt über ihre spirituelle Lehrerin Sr. Birgit Tück.
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© privat

Warum fällt mir gerade Sr. Birgit ein beim Thema „Spirituelle Lehrerin“? Das ist eigenartig, denn ich habe sie gar nicht so sehr gut gekannt. Sie leitete im deutschen Bad Münstereifel ein Mädcheninternat der Ursulinen, in das ich als ziemlich aufgewühlte Jugendliche kam.

Sr. Birgit trug kein Habit, strahlte aber eine sanfte Autorität aus, der man nicht widersprechen konnte. Ich hörte viel über den anspruchsvollen Geschichtsunterricht, den sie für die höheren Klassen gab, deshalb war sie für mich das Vorbild einer studierten, klugen Frau. Fast immer hatte sie ein kleines, undurchschaubares Lächeln im Gesicht, weshalb wir sie insgeheim „Land des Lächelns“ tauften.
Im Gegensatz zu den Nonnen, die uns erzogen, war Sr. Birgit nur von ferne präsent, sie hatte nie viel Zeit. Aber sie achtete auf mich, weil sie wusste, dass ich aus nicht ganz leichten Familienverhältnissen kam, und weil sie bemerkte, dass ich mich intensiv mit dem Glauben beschäftigte. Vielleicht in gewisser Wachsamkeit für Ordensnachwuchs lud sie mich zu Osterexerzitien ins Mutterhaus nach Düsseldorf ein. Ich habe diese Einkehr öfter wiederholt, auch als man mich ganz und gar nicht mehr für eine künftige Nonne halten konnte… weiterlesen in der Printausgabe.

Die Frau, die Wunder erfand

Susanne Niemeyer schreibt über ihre spirituelle Lehrerin Astrid Lindgren.
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© Jacob Forsell

Wenn Pippi an einem sonnigen Frühlingstag an einem Baum vor dem Schaufenster hängt, ruft sie, dieser Tag sei nicht für Plutifikation geeignet. „Wir sind bei der Division“, sagte die Lehrerin. „An solch einem Tag soll man sich überhaupt nicht mit ‚ions‘ beschäftigen“, sagte Pippi. „Oder es müsste ,Lustifikation‘ sein.“

Von Astrid Lindgren habe ich gelernt, wie Leben geht. Pippi Langstrumpf war die Heldin meiner Kindheit. Denn Mädchen, die ihr Leben in die Hand nahmen, waren rar in der Kinderliteratur. Und auch heute noch steht Pippi an meiner Seite. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater auf und davon. Aber Pippi zerbricht nicht daran. Sie lehrt mich, dass die Welt tausend Möglichkeiten bietet. „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Resilienz würde man heute dazu sagen. Astrid Lindgrens Geschichten sind Rettungsgeschichten. Sie bieten Bilder, die meine Einbildungskraft wecken. Sie helfen, das zu sehen, was noch nicht ist, aber sein könnte. Sie sind konkrete Utopie. Ihre Botschaft lautet: „Das haben wir noch nie ausprobiert. Also geht es sicher gut.“ Die Welt ist nicht heil bei Astrid Lindgren. Aber ihre Geschichten sind heilend… weiterlesen in der Printausgabe.

Alles lieben, wie es ist

Laya Kirsten Commenda schreibt über ihre spirituelle Lehrerin Nathalie Delay.
© Lukas Beck

© Lukas Beck

Langes Einatmen, langes Ausatmen. Die Worte berühren mein Herz wie eine sanfte Melodie. Nach Hause kommen. Zu meinem Atem, zu meinem Körper, zu meiner Essenz.

Müsste ich Nathalie mit wenigen Wort beschreiben, so wären das Stille, Präsenz, Anmut und Wahrhaftigkeit. Und Liebe natürlich. Die Liebe, die Nathalie Delay verkörpert, ist eine andere als die, die wir für einen bestimmten Menschen empfinden. „Diese absolute Liebe beinhaltet alle Formen, alle Gedanken, alle Emotionen – auch die Angst. Wenn ich mich der Angst nicht verweigere, sondern sie wirklich spüre, dann finde ich darin die Qualität von absoluter Liebe, dann finde ich die Quelle“, erklärt sie. „Jede Emotion ist wie ein Tor zur totalen Liebe. Aber das ist kein Konzept und keine Ideologie. Das ist etwas, was man organisch erfahren muss.“
Diese Ideologiefreiheit zieht sich durch Nathalies Lehre. Es geht ihr um die essenzielle Erfahrung der Wirklichkeit, um ein aufrichtiges Erforschen, und nicht darum, an irgendetwas zu glauben. Der kaschmirische Shivaismus, eine mystische Tradition, in die sie eingeweiht wurde, kommt in Nathalies Unterricht gar nicht explizit vor. Sie lehrt, was sie lebt… weiterlesen in der Printausgabe.

IHdFeuers_paperback04_korr_MS_16,4mm.inddSabrina Gundert:
Auf dem Herzensweg.
Lebensgeschichten spiritueller Frauen.
Irdana Verlag,
19,90 Euro

 

Erschienen in „Welt der Frau“ 12/16 – von Carola Malzner