11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
Die Menschen wollen über sich selbst lesen

Dieses Buch macht es möglich: Ich glaube daran, dass ein ganzes Dorf eine junge Buchhändlerin heiraten will. Schon auch wegen der Aufenthaltsgenehmigung und dem damit verbundenen Bleibendürfen. Aber auch, weil diese junge Buchhändlerin aus Schweden dem Ort – Broken Wheel in Iowa – Leben beschert. Nein, sie kriegt kein Kind, sie redet mit den Leuten, verliebt sich, stellt kecke Lektüre auf und ein und ordnet Bücher so, wie man es eigentlich tun sollte, nach Stufen der Hoffnung.

Falls Sie es nicht wissen, ich bin ausgebildete Bibliothekarin und weiß, was die ÖSÖB – Österreichische Systematik für Bibliotheken – ist, aber manchmal, da wäre es doch auch ein Experiment, Bücher in etwa so zu ordnen „Bücher mit gutem Ende“, „Bücher mit phänomenalen Ende“, „Bücher mit schlechtem Ausgang, aber nicht ganz ohne Hoffnung.“ Ich rate Ihnen, quasi als Vorbereitung auf diesen Roman Roald Dahls „Matilda“ zu lesen: Lesen hilft echt gegen den Wahnsinn in seiner/Ihrer/ihrer Umgebung und das hat nach Matilda auch Sara, die Buchhändlerin bereits als Kind verstanden. Mit Büchern, das heißt also beim Lesen, da war sie unverwundbar, sie ist nicht gemobbt worden, dazu war sie für alle zu uninteressant, zu entrückt, zu verrückt. Ach, beinahe hätte ich es vergessen: Weitere Ordnungskriterien von Sara sind „Für Freitagabende und faule Sonntage im Bett“ oder „Kein überflüssiges Wort“.

Aus der Brieffreundschaft zwischen der 65-jährigen Amy aus Iowa und der 28-jährigen Sara aus Schweden wird eine Seelenfreundschaft, die Sara einfach dorthin reisen lässt, wo nach Amys Angaben nicht viel los ist. Natürlich ist viel los, aber nur nicht für alle erkennbar: Die eine hat immer eine Flasche griffbereit, die andere kontrolliert sogar den Pastor und die beiden Jungs sind ineinander verliebt. Aber dem Ort fehlt einfach die Seele und so eine Buchhandlung, die würde den umliegenden Kaffs schon auch noch zeigen, dass man in Broken Wheel, dieser sterbenden Stadt, sehr wohl gut lesen kann. Zuerst aber schauen sie Sara beim Lesen zu.

Um Sara lesen zu sehen, natürlich.“ Er erklärte, worum es ging: „Unglaublich, was? Sie hat vor zwei Stunden das Buch gewechselt, aber nicht richtig aufgeschaut. Und schon gar nicht aus dem Fenster. Wie ein Staffellauf, weißt du? Und Sara las weiter.

Sara kann und darf bleiben, sie ergaunert sich ihre green-card nicht, mischt den Ort aber ordenltich auf. Eigentlich: was für ein hässlicher Begriff, die Menschen sind doch kein Nachtisch, keine Creme. Also: Sara küsst die Menschen mit den Büchern wach, mit ihren Gesprächen und fragen ebenso. Sie rüttelt nicht an ihnen, aber sie ist beharrlich in ihrer Lebens- und Lesehaltung. Ist da die letzte prüde Leserin gerade noch aus der Tür gerauscht, kommt sie am nächsten Tag ganz versonnen wieder sanft durch selbige in die Buchhandlung zurück. Ein Buch für Freitage, aber auch für Donnerstage. Quatsch: Teilen Sie sich das Buch gut ein, Sie werden Sara vermissen.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Inspiration, Humor, Freude, aus-der-Reihe-tanzen, Buchtipps, Lektüreerinnerungen,

 

Die Autorin: Katarina Bivald arbeitete 10 Jahr ein einer Buchhandlung und war nie in den USA, „aber ich bin dort aufgewachsen. Mit Fannie Flagg oder Annie Proulx.

Katarina Bivald:

Ein Buchladen zum Verlieben.

Roman.

München: btb Verlag.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.