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Die Nase voll?<br>ab 5 Jahren

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,

auf dass er sich ein Opfer fasse … (*)

Norman Junge hat zu diesem Gedicht von Morgenstern ein geniales Bilderbuch gemacht, leider ist es vergriffen. Doch darum geht´s jetzt nicht!

Reichlich entschädigt uns dafür das Erscheinen von „Willi Virus“ diesen Herbst,  viel mehr als ein vergnügliches Bilderbuch über Schnupfen: Neben dem leicht zugänglichen Text in Erzählform finden sich Sachinfos, die auf dem allerletzten Stand der Forschung sind. Daher steht er auch auf der Shortlist zum Wissenschaftsbuch des Jahres 2016, der Willi. Bis 11. Jänner läuft das Voting: http://www.wissenschaftsbuch.at/

„Willi Winner“, bittet meine Freundin Nora auf ihrer Website um eure Stimme, „wird es euch danken und euch sicher bald besuchen! Hatschi!“ http://leonoraleitl.blogspot.co.at/

 

Schnupfenvirus Willi berichtet aus seinem Leben. In Heidi Trpaks saloppem Plauderton klärt er uns – genauso wie schon seine Kollegin „Gerda Gelse“ http://www.welt-der-frau.at/themen/welt-der-frau-bloggt/kinderbuch-kaleidoskop/schwaermerei-fuer-eine-gelse/ – auch gleich darüber auf, was wir zu tun haben, damit er sich so richtig wohl fühlt und sich schleunigst ausbreiten kann.

In die Hand niesen und dann gleich die Hand eines anderen schütteln. Mit der Hand Rotz abwischen, dann den Türgriff anfassen und den nächsten bitten, die Tür aufzumachen. Den Lichtschalter drücken und gleich danach in der Nase bohren.

Gut, dass das einmal in aller Klarheit gesagt ist. Danke Willi, sehr fürsorglich!

Wenn da nur nicht diese Abwehrzellen wären, allen voran die resolute Fresszelle, die monsterbegeisterte Kinder sofort in ihren Bann zieht und Willi einen sauberen Strich durch die Rechnung macht. Da hat er sich wohl zu früh über unsere Gelehrsamkeit gefreut … und nicht zu vergessen: sehr eindrucksvoll sind auch die Gedächtniszellen, die sich diesen Angriff merken und beim nächsten dann schneller reagieren werden. Ha! Erwischt, lieber Willi, tut uns echt schrecklich leid.

Willi 1Willi 2

 

 

 

 

 

 

Ein Sachbilderbuch für Kinder ab 5 zu illustrieren, das nicht nur informativ und lustig ist, sondern noch dazu eine Augenweide, das meistert Nora bravourös. Schon mit „Mama und das Schwarze Loch“ http://www.welt-der-frau.at/themen/welt-der-frau-bloggt/kinderbuch-kaleidoskop/gluehbirne-ausgebrannt/  hat sie sich ein unangenehmes Thema ausgesucht und erzählt mit bemerkenswerter Leichtigkeit und Humor über Burn-out. Den lästigen Schnupfen als Hauptperson ihres dritten Buches (Nummer zwei war „Ich habe keinen Fogel“) am Hals zu haben, war ihr beileibe nicht immer angenehm. Während der Entstehungszeit hat sie mir jeweils neue Bilder von Willi gezeigt. Sie hat mir erzählt, wie mühsam es war, an fundierte Informationen zu verschiedenen Virenarten zu kommen: Die naturwissenschaftliche Fachliteratur gibt es fast nur auf Englisch. Also kommunizierte sie schließlich per E-Mail mit dem Virologischen Institut in Wien und bekam Bildmaterial zu Verfügung gestellt – und staunte: je heimtückischer die Krankheiten, um so bezaubernd schöner die Formationen der Viren. „Aids ist wunderschön!“ ist sie fast ins Schwärmen gekommen, „Und erst Ebola!!“ Ich hab angefangen, mir ein wenig Sorgen um Nora zu machen … Aber man spürt es dem Buch an, dass sie sich so verbissen hat. Für die Darstellungen hat sie mit verschiedenen Materialien und Farbgemischen gewalzt, gedruckt und gestempelt. Wer entdeckt die Noppenfolie?

Willi 3Willi 4

 

 

 

 

 

 

Was für ein Privileg, dass ich ihr da immer wieder über die Schulter gucken durfte, dankbar bin ich Nora besonders für das schöne Holundertee inhalierende Mädchen und die Doppelseite mit den versammelten schnupfennasigen Berühmtheiten der Weltgeschichte – Schade nur, dass das Verhältnis Männer:Frauen 2:1 beträgt. (Strengt euch an, Mädels!) Dafür ist Venus von Willendorf, die nun wahrlich nicht für die Größe ihrer Nase bekannt ist, selbst im züchtigen grüngetupften Badekostüm noch ein Prachtstück – der Übersetzung für den amerikanischen Kinderbuchmarkt steht damit nichts im Wege.

Liebe Nora, ich freu mich schon sehr auf dein nächstes Bilderbuch „Auf meinem Rücken wächst in Garten“ über Demenz, das ja schon bald, im Jänner 2016 bei Picus kommen wird!

 

 

Heidi Trpak/Leonora Leitl:

Willi Virus. Aus dem Leben eines Schnupfenvirus

Ab 5 Jahren

Verlag Tyrolia 2015

978-3-7022-3486-7

EUR 14,95

 

 

(*) … und stürzt alsbald mit großem Grimm

auf einem Menschen namens Schrimm.

 

Paul Schrimm erwidert prompt: Pitschü!

Und hat ihn drauf bis Montag früh.

 

(Christian Morgenstern: Der Schnupfen. Aus: Dunkel war´s, der Mond schien helle, Hg. v. E. Jacoby, Gestenberg Verlag, Neuauflage 2015, S. 55

Bilderbuch von Norman Junge, erschienen 2000 im Aufbau-Verlag, momentan vergriffen, antiquarisch aber z. B. bei booklooker.de problemlos erhältlich.

Seit 2015 wieder regulär lieferbar ist dagegen Norman Junges cooles Bilderbuch zum Ernst-Jandl-Gedicht „Fünfter sein“ im Verlag Beltz & Gelberg, ISBN 978-3-407-79195-5)

 

 

Veronika Mayer-Miedl

wurde 1971 geboren und lebt als Buchhändlerin in Ottensheim (OÖ). Als Mitarbeiterin des „Kleinen Buchladens“ sieht sie sich als Vermittlerin – als Leseanimateurin für Kinder besucht sie Bibliotheken und Kindergärten. Ein Fernkurs für Kinderliteratur an der „STUBE Wien“ während ihrer dritten Karenz war ein Glücksfall. Begegnungen bei Seminaren im „Kinderbuchhaus“ gaben neue Ausrichtung und inspirierten zu Referententätigkeit übers Bilderbuch. Mit ihrer schauspielenden Freundin teilt sie neuerdings die Leidenschaft für das japanische Erzähltheater „Kamishibai“ und tritt fallweise als Grille oder sogar Meerjungfrau auf.

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