11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
Die Talarschneiderinnen
Die Marienschwestern vom Karmel in Linz verstehen sich nicht nur auf Kneipp-Kuren, sondern auch auf Messkleider. Ein Werkstattbesuch.

Wir suchen eine Schneidermeisterin!“ Hätte ich mich beworben, wäre ich des Nadelns und Heftens ausreichend kundig? Ich bin mir nicht sicher. Wie würde das sein, immer mit Gewändern Umgang zu haben, die liturgisch verwendet werden? Ist das nicht sehr ernst, fast feierlich?

Schwester Pauline, die Chefin der Paramentenwerkstatt der Marienschwestern in Linz, wirkte sehr freundlich, in manchem Momenten fast ein bisschen spitzbübisch. „Man muss den Kostenvoranschlag hoch genug antragen, damit es sich am Ende ausgeht“, meinte sie beispielsweise.

Viele alte Messgewänder, Prozessionsfahnen und „Himmel“ (für Nichtkundige: Das sind Paldachine, unter dem beim Fronleichnamsumzug der Priester mit der Monstranz geht) seien aufwändig zu restaurieren. Das brauche nicht nur Fachkunde, sondern auch Zeit. Schwester Pauline setzt also bei den Auftraggebern lieber auf den frühen als den späten Schrecken. Aufträge hat sie dennoch genug.

Wir waren zuvor mit einer Gruppe Journalisten in der Vesper der Schwestern gewesen. Von den hinteren Reihen aus betrachtet, in die wir uns etwas verschüchtert gedrängt hatten, sah ich viele gebückte Rücken, bedeckt von langen schwarzen Schleiern. Als die Schwestern sich am Ende der Vesper umdrehten, um die ungewöhnlichen Gäste in Augenschein zu  nehmen, sah ich viele alte Gesichter, manche müde, manche neugierig blickend. Eine jüngere Schwester hatte die Psalmen vorgesungen, mit heller, reiner, fast körperloser Stimme. Sie hatte es so regungslos getan, dass es mir das ganze Gebet lang nicht gelungen war, die Stimme einer konkreten Person zuzuordnen. Der „Christkindl-Dom“ werde ihre Kapelle genannt, erzählte uns die Oberin Sr. Michaela Pfeifer. Das goldene Christuskind im Strahlenkranz der Engel leuchtet über dem Hochaltar. Darunter steht ein breiter Stuhl, er ist dem Priester vorbehalten. Die gewohnte Ordnung der Kirche im Raum ausgedrückt.

Macht der Rückgang an Priestern den Schwestern geschäftlich zu schaffen? Nein, nein, winkt Schwester Pauline ab. Der Liebblinskunde ist offenbar schon noch der Kleriker, denn im Raum ausgestellt sind vor allem Priesterkleider. Man fertigt nach individuellen Vorlagen oder nach Katalog. In der Art wie die Ordensfrau über den schwarzen Talar streift, der gerade einem Priester auf den Leib geschneidert wird, meine ich eine besondere Wertschätzung zu spüren.

Aber die Geschäfte werden woanders gemacht: mit den handbestickten Taufkleidern, die immer beliebter werden. Oder den liturgischen Kleidern für WortgottesdienstleiterInnen oder Diakone. „So ändert sich der Markt“, meinte lakonisch ein Kollege. Die Kirche ist doch in Bewegung. Die Marienschwestern vom Karmel in der Linzer Seilerstätte gehen mit der Zeit. Um Schritt halten zu können, wird nun eine Schneidermeisterin gesucht, Klostereintritt nicht erforderlich.

 

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.