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Die Verführungskunst der Gewürze
Venedig war einst die wichtigste Metropole des Gewürzhandels. Das prägt den Charakter der Stadt bis heute.

Venedig vibriert jetzt wie einst. Waren es in der Vergangenheit die eifrigen Händler und Zöllner, die das Stadtbild dominierten, so bevölkern heute TouristInnen und fliegenden HändlerInnen die Lagunenstadt. Der Glanz des Wohlstandes aus der Vergangenheit ist – bei einer gleichzeitig morbiden Stimmung – noch immer zu spüren. Venedig bleibt einzigartig, und auch wenn die wirtschaftliche Hochblüte schon lange vorbei ist: Die Erträge der Verführungskunst der Gewürze sind noch heute zu bestaunen, denn die Lust und die Gier nach exotischen Gewürzen haben den Entdeckergeist der Venezianer angefacht, sie zu Abenteuern verführt und die Kassen gefüllt.

SCHLAUER HANDEL, HOHE STEUERN
Tatsächlich zeugt die ganze historische Kulisse der Lagunenstadt von der erfolgreichen Etablierung des Gewürzhandels und der Neugier sowie dem Geltungsdrang der Europäer. Wenn man über die große Rialtobrücke spaziert oder sich mit den anderen TouristInnen über den Markusplatz treiben lässt, fällt es nicht schwer, sich die alten, glorreichen Zeiten der Republik Venedig vorzustellen. Damals konnten einflussreiche Dogen die Geschicke der Lagunenstadt über Jahrhunderte hinweg erfolgreich regeln und ihr zu einem wirtschaftlich unvorstellbaren Glanz und Reichtum verhelfen.
Kein anderes Land hat früh in der Geschichte und über so lange Zeit auch nur annähernd so viel Profit aus dem Fernhandel erwirtschaften können. Schlaue Abkommen im Handel von exotischen Gewürzen und Waren, hohe Steuern und strategische Kriegsflotten waren die drei Säulen des wirtschaftlichen Erfolges. Gleichzeitig unterstützte die Goldgräberstimmung und Seefahrermentalität der risikobereiten Bevölkerung diese Entwicklung. Durch sie erst kam es zur Verbreitung von exotischen Gewürzen und Lebensmitteln aus dem Orient und der islamischen Welt Afrikas. Tatsächlich verstanden sich die Lagunenbewohner von jeher als Händler und grenzten sich gegenüber den adeligen Grundbesitzern auf dem Land mit dem Leitspruch „Er pflügt nicht, er sät nicht, er erntet nicht“ ab. Denn fast alles, was die VenezianerInnen zum Leben brauchten, beschafften sie sich durch Fischfang und Handel – von Holz und Steinen für den Bau von Häusern und Brücken bis zu Trinkwasser und Lebensmitteln. […] weiterlesen in „Welt der Frau“ 11/16

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Pfeffer, Piment, Muskat, Gewürznelke und Zimt:
kleine Gewürze-Geschichte

In der Vergangenheit löste die Gier nach Gewürzen Kriege aus. Jahrhundertelang waren die exquisiten Gewürze zunächst nur dem Adel und den Reichen vorbehalten, bis sie in unserer Küche selbstverständlich wurden. Ein Exkurs über fünf Gewürze, die aufgrund des Handels und der Entdeckungsreisen bereits früh unsere Küche bereicherten.

Der Siegeszug von Pfeffer ist auf jedem Tisch und in jedem Rezept erkennbar. Er gilt als das am weitesten verbreitete exotische Gewürz und ist in pulverisierter Form eine Unart, denn das intensiv würzige Aromaprofil des Pfeffers kommt nur als ganzes Korn oder frisch gemahlen zur Geltung. Schwarzer Pfeffer ist reifer orangefarbener Pfeffer, der durch die Fermentierung schwarz wird. Bei rosa Pfefferbeeren handelt es sich hingegen nicht um echten Pfeffer, sondern um Beeren des brasilianischen Pfefferbaumes. Allerdings gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen echten Pfeffersorten, die durch Schärfe und durch ein sehr unterschiedliches Aromaprofil begeistern.

Kein anderes Gewürz hat so viele Pseudonyme wie Piment, das auch als Neugewürz, Jamaikapfeffer, Nelkenpfeffer oder Allgewürz gehandelt wird. All diese Namen sind ein Indiz für seine Herkunft, sein intensives und vielfältiges Aromaprofil sowie seine geschichtliche Positionierung im Handel, da Piment aufgrund seiner äußerlichen Ähnlichkeit mit Pfeffer und der hohen Nachfrage danach als preiswerter Ersatz angepriesen wurde.

Was wäre das Kartoffelpüree ohne frisch gemahlene Muskatnuss und das Apfelkompott ohne Gewürznelke? Bereits in der Antike kamen diese aromatischen und exquisiten Gewürze erstmals durch Händler nach Rom und Athen, wo sie den vornehmsten Häusern vorbehalten waren. Ursprünglich auf den Molukken, Teil des heutigen Indonesiens, beheimatet, wurden die Pflanzen vom französischen Pflanzenjäger Pierre Poivre Mitte des 18. Jahrhunderts trotz drohender Strafe seitens der niederländischen Kolonialherren von der Insel geschmuggelt und auf Mauritius und Réunion verbreitet.

Gerade in der Vorweihnachtszeit wäre Zimt aus unseren Rezepten nicht wegzudenken. Er wurde nachweislich bereits im 13. Jahrhundert gehandelt. Echter Zimt wird auch als Ceylonzimt bezeichnet und findet hierzulande sowohl gemahlen als auch als Rinde vor allem in der süßen Küche viel Einsatz. Als intensivere Variante ist Cassia oder auch chinesischer Zimt bekannt, der intensiver als echter Zimt schmeckt und gerne für Gewürzmischungen sowie in den USA als Ersatz für echten Zimt verwendet wird.

Erschienen in „Welt der Frau“ 11/16 – von Bianca Gusenbauer