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„Die Vielfalt als Bereicherung sehen“

Elisabeth Lummerstorfer (27) hat wissenschaftlich neue Wege der Integration aufgezeigt. 

In Ihrer Masterarbeit „Gemeinsam säen und ernten“ beschäftigen Sie sich mit der „sozialen Landwirtschaft“. Worum geht es dabei?
Elisabeth Lummerstorfer: Es geht um Kooperationsmöglichkeiten zwischen bäuerlichen Betrieben, asylsuchenden Menschen und Sozialvereinen. In Österreich sind Menschen im laufenden Asylverfahren meist zum Nichtstun gezwungen, weil sie rechtlich kaum Möglichkeiten haben, einer Beschäftigung nachzugehen. Die langen Wartezeiten sind sehr zermürbend.

Welche konkreten Projektideen haben Sie erarbeitet?
Mit den Ko-Forschern gemeinsam habe ich Projektideen in den Bereichen Beschäftigung, Wohnen, Therapie und Freizeit erarbeitet. Das Pflanzen und Ernten von Lebensmitteln zum Eigengebrauch ist zum Beispiel eine Möglichkeit der sinnstiftenden Beschäftigung im laufenden Asylverfahren. Die größten Probleme sind immer die rechtliche Situation und die Finanzierung.


Warum liegt Ihnen die Situation der Asylwerber so sehr am Herzen?
Ich bin viel gereist, ich war in Indien, Südostasien, Ghana, Südamerika. Ich habe dort viele positive Erlebnisse mit dem Anderssein gesammelt, und es irritiert mich, dass in Österreich das Bild des Fremden immer mit der Angst verbunden ist: Man nimmt uns etwas weg. Ich möchte zeigen, dass Vielfalt als Bereicherung gesehen werden soll.


Wie geht es beruflich für Sie weiter?
Derzeit arbeite ich als Trainerin für Menschenrechte und Asyl, als persönliche Assistentin für körperlich Beeinträchtigte und in einer Einrichtung für Frauen. Im Herbst habe ich an der BOKU mit dem Studium „Agrarwissenschaften“ begonnen. Meine Eltern haben einen Bauernhof, und ich könnte mir gut vorstellen, das Soziale mit der Landwirtschaft zu verbinden.

Elisabeth Lummerstorfer wurde in Gramastetten (OÖ) geboren. Sie studierte „Soziale Arbeit“ und „Gender Studies“. Für ihre Masterarbeit an der FH Linz erhielt sie einen mit 2.500 Euro dotierten Würdigungspreis des Wissenschaftsministeriums. Die 27-Jährige lebt in einer Beziehung, sie liest, reist und kocht gerne.

Erschienen in „Welt der Frau“ Ausgabe 03/15 – von Julia Langeneder