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Dieses Schild im Schaufenster hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen...

Wie so oft Freitagmittag staut sich der Verkehr aus Linz über die Nibelungenbrücke. In der Rudolfstraße, der Ausfahrtsstraße in das obere Mühlviertel, kommt er dann immer wieder zum Erliegen. Ich komme dabei vor einem Second-Hand-Laden zum Stehen. Ein neues Schild hängt im Schaufenster:

 

          neu
          Männer
          Bekleidung

 

Hoppla, das ist ja interessant! Endlich ein Geschäft, in dem es Männer gibt!

Bekleidung hat es in diesem Laden immer schon gegeben, Damenbekleidung.

Aber Männer?!

Meine Fantasie geht sogleich mit mir durch. Wie läuft das ab? Welche Männer wird man da erstehen können? Ist das eher eine Partnervermittlung, oder kann man hier Männer für bestimmte Zwecke leasen, kaufen, kurz ausborgen?

Einen Mann zum Reifenwechseln, zum Rasenmähen, zum Kuscheln für lange Winterabende, zur Begleitung in die Oper?

Kann man/frau die Männer nach Wunsch auswählen?

„Guten Tag, bitte einen blonden Mann, einen großen, starken, zärtlichen,… Mann, einen Mann mit Brustbehaarung , nein besser ohne, einen Mann mit…“

Aber wie passt das Ganze in einen Second-Hand-Laden? Kann frau hier Männer abgeben, die gebraucht, aber noch gut erhalten sind? Oder melden sich hier Männer selber an, weil sie zwar gebraucht, aber noch sehr gut erhalten sind?

Und wo gibt es ein adäquates Geschäft mit Frauen? Im Sinne der Gleichberechtigung müsste es das dann auch unbedingt irgendwo geben.

All diese abstrusen, skurilen, frivolen Gedanken schießen mir durch den Kopf, während ich meine Fahrt stockend fortsetze.

Und all das, weil wieder einmal ein kleiner, ganz und gar nicht unbedeutender Bindestrich zwischen zwei Wörtern vergessen wurde!

 

Dazu fällt mir noch diese Geschichte ein: Zu Kaisers Zeiten soll ein unschuldiger Mann, nur wegen eines Beistrichs an der falschen Stelle, gehängt worden sein. Wie das möglich ist?

Folgende Depesche kam vom Kaiser an den Schergen:
„Verschonen Sie ihn nicht hängen!“

Gemeint war:
„Verschonen Sie ihn, nicht hängen!“

Der Henker interpretierte:
„Verschonen Sie ihn nicht, hängen!“

 

Ein Bindestrich, der Frauenfantasien anregt, und ein Beistrich, der über Leben und Tod entscheidet, so spannend kann die deutsche Sprache sein!

Darum, liebe Leser/innen: Verachtet mir den (Bei-) Strich nicht!

 

Anneliese Pflügelmayr

arbeitete als Pädagogin und Mediatorin. Zuletzt war sie an der Pädagogischen Hochschule OÖ tätig, wo sie Deutschdidaktik unterrichtete und gemeinsam mit KollegInnen einen Lehrgang für Peermediation aufbaute. Seit einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA engagiert sie sich als Freiwillige für Jugendaustausch und diverse Sozialprojekte. Kommunikation und Begegnung mit Menschen sind ihr wichtig. In ihren Beiträgen wirft sie einen augenzwinkernden Blick auf das Alltagsleben als Seniorin, in dem sich vielleicht auch so manche Leserin wiederfindet.
Ihre Devise: Mit kritischer Distanz und Humor sollte sich doch das Älterwerden etwas leichter bewerkstelligen lassen!

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