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Dorfbesuch

An einem freien Wochenende wurden wir von unserer Freundin Tlhakiso in das Dorf in den Bergen eingeladen, in dem sie aufgewachsen ist und in dem ihre Großmutter immer noch lebt. Nach einer zweistündigen Busfahrt und einmal Umsteigen kamen wir in Teyateyaneng an. Um das Haus ihrer Großmutter zu erreichen, welches etwas außerhalb des Zentrums liegt, mussten wir noch eine halbe Stunde zu Fuß gehen.

Die meisten Leute hier haben keinen Strom im Haus, die Frauen tragen 20-Liter-Kübel auf dem Kopf, um beim nahegelegenen Brunnen oder Fluss Wasser zu holen. Gekocht wird meist im Freien. Klos gibt es nur in Form von Kübeln oder hin und wieder steht ein Plumpsklo im Garten. Dennoch sind die Leute nicht unglücklich – im Gegenteil. Die Gegend ist wunderschön und wir kamen uns vor wie im Paradies. Einzeln verstreute kleine Ziegelhäuser mit schönen Gärten, freigrasende Kühe, Esel und Schafe und lachende, spielende Kinder. Die Leute riefen uns zu und grüßten uns – hier kennt sich jeder. Wir wuschen unsere Wäsche an einer unterirdischen Quelle, besuchten den Chief of the Village, bestaunten in der Nacht ein riesiges Wetterleuchten und in der Früh wurde am offenen Feuer Wasser gewärmt, um dann in einem kleinen Lavor zu „duschen“.

Tlhakisos Großmutter lebt zusammen mit Nthabeleng, ihrer Nichte zweiten Grades, die ihr bei der Hausarbeit hilft und dafür bezahlt wird, in einem kleinen Haus. Nthabeleng ist 19 Jahre alt und hat drei jüngere Geschwister. Ihre Mutter starb vor einigen Jahren und ihr Vater lebt alleine und ist alkoholsüchtig. Als älteste Tochter ist sie nun verantwortlich für die Familie. Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr arbeitet sie, um das Schulgeld für ihre Geschwister bezahlen zu können. Nthablebeng bedeutet Fröhlichkeit und ich wüsste keinen Namen, der besser für diese faszinierende junge, starke Frau gepasst hätte. Trotz ihres harten und nicht einfachen Lebens hat sie eine unheimlich freundliche Ausstrahlung und ein wunderschönes Leuchten in den Augen.

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