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Eigentlich wollen auch die Bösen nur Gutes

Wo Mira Valensky auftaucht, ist erstens was los und wird zweitens ziemlich bald ein Mord passieren. So ist das bei Krimis und so ist das noch immer spannend, prickelnd wie die guten Prosecco-Sorten, die die Hobby-Ermittlerin Mira so liebt, nach über zehn Fällen, sprich über zehn Büchern der Juristin, Journalistin, ausgebildeten Köchin Eva Rossmann. Und wieder wird ausgiebig gekocht und genossen, politisiert und auf falsche Fährten gelockt: Wer ermordete die EU-Taskforce-Leiterin Dagmar Wieser auf Zypern? Hassen die Zyprer die Deutsche(n) wirklich so sehr und geben sie ihnen allein wirklich die Schuld an der Wirtschaftskrise? Gibt es ihn also, den EU-Mord auf Zypern, die persönliche Rache für ein politisches Verbrechen? Bankencrash und Mezes, gut gemixte Drinks wie etwa „Pink Mira“ an einer Hotelbar auf Zypern, begeisterte SchauspielerInnen im Theaterstück „Othellos Erben“ von Paulus Reisinger, das sind die Zutaten dieses Krimis.

Es ist also schon wieder etwas passiert. Dabei plauderte Mira Valensky, die als Lifestyle-Kolumnistin beim „Magazin“ angefangen hat und jetzt dort Chefreporterin ist, gerade noch so angeregt mit Reisinger und Dagmar Wieser in deren Haus auf Zypern. Warum dort? Weil Mira ein Gespür für heiße Themen, interessante Menschen und die richtigen Orte hat. Daneben weiß sie zu genießen: gutes Essen, ihre Liebe zu Oskar, die Treue ihrer Katze Gismo. Nicht, dass Oskar, Miras Langzeitliebe und im Hauptberuf Anwalt, Ermittlungsgehilfe in so manchem früheren Kriminalfall, nicht ebenso treu wäre wie Gismo, die außer Mira und Oskar auch noch die Oliven liebt. Soeben hat Dagmar Wieser gerade noch von ihrer Sympathie für die Zyprer erzählt, von ihrer komplexen Aufgabe, darauf zu achten, dass die EU-Richtlinien auf Zypern auch wirklich umgesetzt werden. „Merkel zwei?“ Auch mit dieser Bezeichnung habe sie kein Problem, es gehe ums Einhalten der Regeln. Klare Vorgaben, denkt Mira und mischt sich auch sofort ein, als sie von der Ermordung ihrer Interviewpartnerin erfährt. Dass Detektei, Vesna Krajner, kräftig mitmischt, ist allen Rossmann-Fans klar, für EinsteigerInnen in die Fälle des Ermittlerinnen-Duos Mira-Vesna erklärt sich diese Innigkeit im Laufe des Falls. Übrigens: Vesna begann als Reinigungsfrau bei Mira, hat sich und ihre Zwillinge „durchgebracht“, betreibt jetzt eine Reinigungsfirma und eine fast geheime Detektei, ihr Deutsch ist perfekt, ihre Kinder sind erfolgreich und bezeichnen sich selbst als „Paradeimmigranten“, während ihre Mutter auf die „Füllwörter“ des Deutschen wissentlich, willentlich und mit viel Spaß so gern verzichtet.

„Ich glaube trotzdem, dass die EU grundsätzlich eine gute Idee ist. Ich tue mir freilich leicht. Ich habe einen Job, es gibt bei uns keine gröbere Krise, die lächerlichen Nehmer, die auch in Österreich immer wieder auftauchen, bringen uns nicht um. Was, wenn sich die Voraussetzungen ändern? Wenn Misstrauen geschürt wird? Wenn es eng wird?“

Luxus oder gediegener Wohlstand einerseits, Armut und Verlustgeschäfte andererseits: In diesem Spannungsfeld ermittelt Vesna mit der ihr eigenen Hartnäckigkeit. Auch Glück ist im Spiel und wer Glück im Spiel hat, darf sogar ein bisschen flirten: Vesna verliebt sich, Mira wird nachdenklich und die Freundschaften des Paulus Reisinger sind nicht alle von friedlichem Geben und Nehmen geprägt. Ja, der Täter wird gestellt, wie immer, aber das war noch nie die Hauptsache, es gibt doch Wichtigeres: die Politik, die Liebe, die Freundschaften!

Eva Rossmann: Alles rot
Ein Mira-Valensky-Krimi
Wien – Bozen: folio Verlag 2014

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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