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Ein Fisch am Küchentisch
Normalerweise fotografiert sie für Welt der Frau die Speisen, aber als zweite Passion versucht Julia Maetzl sich als Textildesignerin. Ein Werkstattbesuch in Wien.

Julia ist eine ganz Genaue. Sie zeichnet ihre Entwürfe zuerst in kleine Hefte, macht Notizen auch während der U-Bahn-Fahrt. Seetiere, Muscheln, Samenkapseln, Ornamente. Dann überträgt sie ihre Entwürfe auf Transparentpapier, das wiederum auf Stempelgummi gelegt wird. Mit einem scharfen Messer schneidet Julia Maetzl die späteren Stempel aus. Dann wird Farbe gemischt. Aus den Grundfarben erzeugt sie jene Farbtöne, die ihr und ihren Motiven entsprechen. Meergrün, Himmelsblau, Sandweiß, Senfgelb, alles erinnert an Urlaub am Meer. Nicht von ungefähr. Die Kindheitsferien in Kroatien haben Julia inspiriert. Ihr Lieblingsmeer ist allerdings der kühle Atlantik, wo es lange Sandstrände und dichte Pinienwälder gibt.

Schließlich stempelt Julia Maetzl Motiv um Motiv händisch auf kostbares Mühlviertler Leinen. Dazu braucht sie ihren großen Tisch, eine ruhige Hand und viel Geduld. Ein falscher Druck, einmal zu viel Farbe auf den Stempel aufgetragen und schon ist alles verpatzt. Die gebügelten Stücke kommen schließlich unter Schere und werden auf der Nähmaschine zu Geschirrtüchern, Reiseaccessoires, Stiftetuis. Als „Renner“ haben sich ihre Hängekörbe erwiesen. Damit kann man alles außer Reichweite der Kinder – Julias eigener Sohn Samuel war da wohl der Inspirator – aufbewahren. Der Leinenbehälter baumelt an einem Stück Donautreibholz und starken Seemannsseilen. Originell auch ihr Tütenspender: Ein länglicher Beutel, in den man alle Plastiktaschen, die sich ansammeln, stopft und bei Bedarf unten eine nach der anderen herauszieht.

Ach ja, der Name ihres Labels: annamay. „Im zweiten Vornamen heiße ich Anna und May hat etwas mit meinem Familiennamen zu tun.“ Noch ist Julia am Experimentieren, am Entwickeln. „Ich bin eine Fitzlerin sondergleichen“, meint sie lachend. Weil sie alles so genau nimmt und außerdem so gerne selbst mit der Hand arbeitet, macht sie auch noch alles ganz allein. Die Frage, ob sich das wirtschaftlich rechnet, stellt sie sich lieber noch nicht. Aber natürlich ist es ihr Ziel, ihre praktisch-schönen Dinge auch zu verkaufen.

Wer annamay bei sich zu Hause haben oder FreundInnen damit erfreuen möchte, wird im Internet fündig oder in kleinen Wiener Läden, die man auf der Homepage ebenfalls findet.  www.annamay.at

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