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Ein Leben aus kleinen Freuden und Qualen

Per Persson hat schon während seiner Schulzeit gejobbt: In Huddinge, in einem heruntergekommenen Holzhaus namens Club Amore. Per Persson lässt seine frisch verliebte wie vermählte Mutter mit ihrem isländischen Banker nach Reykjavik ziehen und macht seither das, was er besonders gut kann: Als Rezeptionist zu arbeiten und das in der Pension Sjöudden, wie sich der Club Amore nun nennt. Mörder Anders hat all seine Strafen abgesessen, doch ihm, dem 56-jährigen Johan Andersson, ist diese klare Ansprache lieber als sein bürgerlicher Name. Sofort lässt er sich in seiner Pension von Per Persson ein Bierchen einschenken und gut, Tabletten und Schnaps lässt er einstweilen weg.

Jonas Jonasson baut seine Bühne gekonnt auf, die Schrulligkeiten sind ausgeworfen, Alkohol und das wilde Leben in groben Strichen bereits skizziert. Doch wer taugt hier zur zentralen Person, wer gibt hier den 100-Jährigen, der aus dem Fenster steigt und wer seinen Gegenpart. Und da steht sie ja schon vor uns: Sie, die Pfarrerin Johanna Kjellberg, die aufgrund ihrer atheistischen Gesinnung prompt entlassen wurde und das mitten in einer ihrer Predigten.

Und wenn ich mal zwanzig Minuten frei habe und mich auf eine Bank setze, in sicherem Abstand zu den ganzen Räubern und Gangstern, mit denen ich dienstlich zu tun habe, dann taucht eine Pfarrerin auf, die nicht an Gott glaubt, die erst versucht, mir mein letztes Geld abzuschwindeln, und mir dann mein Pausenbrot wegisst. Da haben Sie mein Leben, es sei denn, das alte Freudenhaus hätte sich dank ihrer Fürbitte in ein Grandhotel verwandelt, wenn ich zurückkomme.

Die drei profitieren schnell von ihren unterschiedlichen Fähigkeiten: Sie gründen eine Körperverletzungsagentur, in der Mörder-Anders den Schläger gibt. Aufträge aus Deutschland, Frankreich, Spanien und England trudeln ein, nur die Italiener, die brauchen diese schwedische Agentur wohl nicht. Die erledigen das selber. Mörder Anders ist nicht darauf aus, Geld zu horten, lieber wirft er doch gleich die Jukebox aus dem Fenster seiner Stammkneipe und ersetzt der dann den Schaden: Was sind das denn für Menschen, die Geld in eine Maschine werfen, um Julio Iglesias zu hören? Und wie wäre es damit gewesen, einfach den Stecker der Jukebox zu ziehen? Eine existenzielle Frage, der Mörder-Anders gern nachgeht und dabei über die ungläubige Pfarrerin direkt bei Jesus landet.

Das Trio unternimmt eine gewagte Wendung, stellt mit der „Aktion Weihnachtsmann“ erneut Schweden auf den Kopf und überlegt, sein Geschäft mit dem Weihnachtsmann auf Deutschland auszuweiten, schließlich haben die Deutschen doch ein gutes Herz und Sympathien für den Weihnachtsmann.

Dass Per Persson und Pfarrerin Johanna Kjellberg einander immer näher kamen, seine Mutter sich vom isländischen Banker trennte … das sind Kleinigkeiten auf dem Weg in ein richtig gutes Leben.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: gelungene Unterhaltung, kantige Charaktere, Reisen durch Schweden.

 

Der Autor, 1961 in Växjö geboren, hat mit seinem Roman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ sofort einen Bestseller gelandet, einen Weltbestseller; so hat er wohl nie bereut, dass er einst seine Medien-Consulting-Firma verkaufte. Hoffen wir, dass er seinen drei HeldInnen hier nicht auf den Leim geht!

 

 

Jonas Jonasson:

Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind.

Roman.

Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn.

München: carl’s books.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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