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Ein Platz an der Sonne
Die „Sonneninsel“ ist Österreichs erstes und einziges Nachsorgezentrum für krebskranke Kinder und deren Angehörige.

Eine Krankheit trägt man im Rucksack ein Leben lang“, sagt Heidi Janik und erzählt von ihrer Tochter, die mit fünf Jahren an Leukämie erkrankte. Heute ist die Tochter 40, hat zwei Kinder und es geht ihr gut. Der Weg, den die Familie „in der Steinzeit der Onkologie“ gehen musste, war schwer, die gebotene medizinische Versorgung unzureichend. So gründete Heidi Janik 1987 die Salzburger Kinder-Krebs-Hilfe, deren Obfrau sie heute noch ist. Zeitgleich entstanden ähnliche Vereine auch in anderen Bundesländern.

Krebs schafft zwischen Betroffenen tiefe Verbundenheit. Das gegenseitige Verständnis ist da, ohne sich lange erklären zu müssen, ohne ständiges Mitleid. Die Gemeinschaft der „Survivors“, der Überlebenden, wächst. Acht von zehn Kindern und Jugendlichen, die heute an Krebs erkranken, können geheilt werden. Seit mehr als 20 Jahren veranstaltet die Kinder-Krebs-Hilfe Aktionscamps, um auf das Leben nach der Erkrankung vorzubereiten. In Seekirchen am Wallersee konnte nach langer Suche ein fester Standort gefunden werden. Die fünfeinhalb Millionen Euro für den an ein Kloster mit Kreuzgang erinnernden Massivholzbau stammen fast zur Gänze aus Spenden. Rückblickend sagt Heidi Janik: „Die Last der Verantwortung war sehr groß. Gut, dass ich vorher nicht wusste, was auf mich zukommt.“

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Heidi Janik führt gerne durch die „Sonneninsel“ (siehe oben). Das Nachsorgezentrum geht auf ihre Initiative zurück.

ZEIT, GEDULD, ZUWENDUNG
„Man glaubt nicht, welche Wunden eine Chemotherapie schlägt, körperlich wie seelisch“, weiß Heidi Janik. Es braucht Zeit, Geduld und Zuwendung, um die Ängste zu bewältigen und wieder Selbstvertrauen aufzubauen. Mithilfe von Kreativ- und Freizeitangeboten wie Malen und Töpfern, Bewegung sowie psychotherapeutischer Unterstützung werden im Nachsorgezentrum Kinder, Jugendliche und deren Familien begleitet. Neben der Kinder-Krebs-Hilfe Salzburg als Trägerin der „Sonneninsel“ und der Stadtgemeinde Seekirchen beteiligten sich die Länder Salzburg, Oberösterreich und Steiermark an der Finanzierung. Aus diesem Raum kommen auch die meisten Gäste des im September 2013 eröffneten Hauses.

Die Auslastung der 27 Doppelzimmer ist in den Sommer- und Osterferien am höchsten. Familienwochen werden angeboten, da nach einer Krebsbehandlung der Bedarf an Erholung groß ist. Ein weiteres Angebot sind Trauergruppen: „Ein Kind nach oft langer Erkrankung zu verlieren, ist eine der schmerzhaftesten Erfahrungen. Da tut es gut, mit Menschen zusammen zu sein, die Ähnliches erlebt haben, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.“ Einen Tipp möchte Heidi Janik allen im Umfeld von Betroffenen geben: sich nicht zurückzuziehen, sondern aktiv auf die Trauerfamilie zuzugehen.

  • Das Angebot der „Sonneninsel“ erstreckt sich auf Österreich, Süddeutschland und Südtirol: Sonneninsel GmbH, Tel: 06212 310 01, www.sonneninsel.at
  • Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe, Tel: 01 402 88 99, www.kinderkrebshilfe.at, ua. mit Links zu den Landesverbänden Wien, Niederösterreich und Burgenland, Oberösterreich, Salzburg, Steirermark, Kärnten, Tirol und Vorarlberg.

 

 Erschienen in „Welt der Frau“ 05/2014 – von Caroline Kleibel