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Eine ganz besondere Stimmgabel
Wie Gegenstände weiter leben

Norbert suchte in seinen Jackentaschen nach einer Karte. Als er in die Brusttasche griff, hielt er plötzlich inne und zog ein längliches, braunes Etui hervor. „Das muss ich jetzt schnell erzählen“, sagte er, obwohl die Karte noch nicht aufgetaucht war. Er zog die Flappe des Etuis hoch und beförderte zwei Stimmgabeln zutage. Eine in einem dunklen Grau und eine etwas heller in der Farbe eines Nirosta.“Die haben früher Professor Riedl  gehört. Die dunkle gehörte seinem Vater, die helle ihm.“

Alfons Riedl war viele Jahre Theologieprofessor an der Katholischen Privatuniversität in Linz und ein begeisterter Musiker. Die Stimmgabel seines Vaters trug er zeitlebens immer bei sich. Sein Vater war sehr jung gestorben. Als Professor Riedl starb, kam seiner ehemaligen Mitarbeiterin, die den Nachlass betreute, während einer Zugfahrt die Idee, dass die für Riedl so bedeutsamen Stimmgabeln an Norbert Trawöger gehen sollten. Die Querflötist trägt sie seither auch immer bei sich. „Wenn ich sie einmal nicht eingesteckt habe, werde ich fast etwas nervös“, meint der leicht schusselige Musikus. Und schlägt zuerst die dunklere, dann die hellere Stimmgabel an der Wand an. Beide Male gibt sie ein A an, das erste Mal vielleicht eine Spur tiefer.

Norbert lacht und sagt etwas von 460 damals und 463 heute. Ich nehme an, das hat etwas mit der Schwingung des Metalls  zu tun. Mir reicht, dass die zwischen den Stimmgabeln und ihrem neuen Besitzer so wunderbar passt.