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Eine Hand ballt er immer zur Faust

Ove möchte man nicht als Nachbarn. Er ist streng, er kontrolliert penetrant, ob die Fahrräder richtig abgestellt sind und niemand mit dem Auto durch die Wohnsiedlung poltert. Ove lässt sich über all diese Ärgernisse gegenüber seiner Frau aus, er schimpft in seinem Eigenheim über den dicken und faulen Nachbarn, über die lauten Kinder der schwangeren neuen Nachbarin, ach, er schimpft über das Leben an sich. Er bekommt keine Antwort. Sonja ist verstorben, Ove macht seine letzten Kontrollgänge, wieder und wieder ballt er die Hand zur Faust: Das hat er schon als junger Mann gemacht. So lange, bis ihm Sonja und mit ihr die Liebe begegnete.

Ove ist ein stiller, ein besonnener junger Mann: Er erbt nach dem Tod seiner Eltern deren Haus, baut es neu, wird von seinen Arbeitskollegen am Bau beinahe liebevoll „der Welpe“ genannt, sie schenken ihm einen Werkzeugkasten. Ove vertraut: So fällt er auf einen Versicherungsbetrüger herein und lernt, den wichtigen Männern in ihren weißen Hemden gegenüber misstrauisch zu werden. Das Haus ist weg, Ove bewältigt zwei Schwerarbeiter-Jobs, Ove ballt die Faust, immer nur eine, in seiner Hosentasche.

Mit Sonja verändert sich Ove, ihr Vater, ein knurriger alter Mann, lehrt ihn das Fischen, das kommt einer Liebeserklärung gleich. Ove ballt jetzt seltener die Faust, Sonja wird schwanger, die beiden unternehmen eine Busreise. Der Busfahrer ist betrunken, Ove, der seine Sonja und sein ungeborenes Kind beschützen will, versagt: Er ist nicht zur Stelle, als sich der Bus überschlägt. Klar, er ist da, nur saß er nicht neben seiner Sonja, wieder ballt er die Faust in der Hosentasche. Wieder kommen Männer in weißen Hemden und raten ihm, Sonja in ein Heim zu geben, das Ungeborene hat den Unfall nicht überlebt. Sonja kommt heim, weil Ove sie heimholt.

Nun aber will Ove sterben, aber auf die modernen Stricke ist kein Verlass, der Haken hat ja gehalten, auch ein weiterer Suizidversuch scheitert: Da wird der Alte doch noch von diesen Verrückten hier in der Siedlung gebraucht. Ein ernster Roman mit heiteren Einschüben, sehr heiteren und bittersüßen Einschüben, Verwünschungen und glasklaren Beobachtungen.

Und so kommt es, dass Ove zum ersten Mal auf seiner täglichen Inspektionsrunde durch die Siedlung eine Begleitung hat. Er tritt gegen das Schild, das den Autoverkehr im Wohngebiet untersagt. Zeigt deutlich auf das etwas kleinere Schild, das ein paar Meter weiter aus einer schneebedeckten Rasenfläche ragt und auf dem „Haustiere im Wohngebiet ausführen verboten“ steht. Dieses Schild hat Ove während seiner Zeit als erster Vorsitzender des Eigentümervereins aufgestellt, informiert Ove die Katze mit energischem Ton.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: bizarre Charaktere, witzige Katzen, einen Mann mit großem Herzen, eine wunderbare Liebesgeschichte, jede Menge Anstand, gelebten Anstand unter brummiger Fassade.

 

Der Autor, 1981 geboren, war einst Gabelstapler-Fahrer, Kolumnist und Blogger, da erzählte er von einem Mann namens Ove. Sein Roman regiert die schwedischen Bestsellerlisten, sein neuer Roman „Meine Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid“ wird bald ein Lesezeichen hier sein.

 

 

Fredrik Backman:

Ein Mann namens Ove.

Roman.

Aus dem Schwedischen von Stefanie Werner.

Frankfurt a. Main: Fischer Verlag 2014.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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