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Warum verlieben sich die Menschen? Warum bilden siePaare? Was macht Paare erfolgreich und verleiht Beziehungen Dauer? Eine Antwortgibt es nicht. Aber viele individuelle Annäherungen.

Von Jahr zu Jahrveröffentlicht Statistik Austria die Scheidungsraten in Österreich und zeigtdamit eine drastische Entwicklung auf. 1981 lag die Wahrscheinlichkeit, dasseine geschlossene Ehe mit einer Scheidung endet, noch bei 26,5 Prozent. 2007sah die Welt anders aus. Jede zweite in diesem Jahr geschlossene Ehe wird laut Statistikfrüher oder später vor dem Scheidungsrichter enden. Dennoch drängt es denMenschen nach wie vor zur Paarbildung. Eins plus eins scheint eben mehr zu seinals zwei. Wenn eine Ehe oder Lebensgemeinschaft zwei Menschen glückt, entstehtdamit auch ein gesellschaftlicher „Mehrwert“, der meist weit über den eigenen Lebenshorizonthinausreicht. Wir baten vier ganz unterschiedliche Paare zu sehr persönlichenGesprächen. Eine Annäherung an das Erfolgskonzept Paar, an die Frage, was Wohlund Wehe in Beziehungen bringt – und nicht zuletzt eine Annäherung an das Phänomen Liebe!

Maxi und Stefan: Ein schönes Theater

Maxi Blaha und Stefan „Franzobel“ Griebl sind einander Inspiration: Er schreibt, sie spricht.

Maxi Blaha erwartet mich zehn Minuten vor der Zeit im Marktbeisl“Tewa“ am Wiener Karmelitermarkt. Klar, diese Frau hat wenig Zeit und eingerüttelt Maß an Effizienz. Wer Maxi Blaha, die mit 40 schon auf eine sehreindrucksvolle Schauspielkarriere zurückblicken kann, von der Bühne kennt, demhat sich von ihr wahrscheinlich ein bunt-schrill-schräges Bild eingeprägt.Obwohl sie mit Modelkörper und klassisch schönem Werbegesicht ausgestattet ist,waren die gediegenen Frauenrollen nie so ihr Ding. Da rülpst sie sich schonlieber orgiastisch und minutenlang durch einen „Monolog“ im Stück „Krankheitoder moderne Frauen“ von Elfriede Jelinek. Und sie ist nach kurzerZurückhaltung – „Das kann ich jetzt hier nicht vorführen“ – auch schnell dabei,eine Probe von ihrem „Talent, auf Kommando rülpsen zu können“ abzugeben. Sehreindrucksvoll, Frau Blaha! Das findet auch Stefan Griebl, der mittlerweileneben ihr Platz genommen hat und besser bekannt ist unter dem Namen Franzobel.

Der bekannte Autor und die Schauspielerin sind seit 2008 ein Paar. Und schon kurz nachdemsich die beiden ineinander verliebt hatten, folgten eine klassische Trauung unddie Geburt des gemeinsamen Sohnes Nepomuk, der heute drei Jahre alt ist. „Maxiist eine sehr große Inspiration für mich. Ich bin durch sie viel präzisergeworden. Und sie ist wahnsinnig lustig und wortwitzig, wenn sie was getrunken hat.Dann wird sie zur Stand-up-Comedian. Da muss ich quasi nur noch mitschreiben“,sagt Stefan, der im Gespräch langsam auftaut. Dass Stefan alias Franzobel soviel auf ihre Meinung gibt, ist Maxi Blaha wichtig. „Da bin ich schon stolzdrauf. Nicht jede Frau hat einen Mann, der ihr zuhört. Und Stefan hört nichtnur zu, er saugt!“ Ein „sehr angenehmer Spiegel“ ist Maxi für Stefan. Er gibtihr nicht alle seiner neuen Texte zu lesen – aber jene, bei denen er sich unsicherund im Selbstzweifel ist, die müssen durch die Blaha-Prüfung. „Ich hatte vorherniemanden, der in meinem Leben diese Rolle G hatte. Bei uns vermischtsich halt Berufliches und Privates sehr. Aber ich könnte nicht wirklich meinLeben mit jemandem verbringen, der ganz anders gepolt ist als ich.“ „Das würd ichjetzt auch nicht mehr mögen. Man gewinnt so viel an Freiheit, wenn der Partnereinen beruflich versteht und man sich diesbezüglich nicht mehr rechtfertigenmuss“, bestätigt Maxi Blaha und erinnert sich schaudernd an einen „Ex“ aus derManagementbranche, der bei ihrer erwähnten „Rülpsorgie“ peinlich berührt imPublikum in der ersten Reihe saß.

Jetzt ist es umgekehrt, und die beidenKreativen haben schon einige erfolgreiche gemeinsame Projekte verwirklicht, dies ohne das private Liebespaar Maxi und Stefan wohl so nie gegeben hätte. Undklar schreibt Franzobel gerne für Maxi Blaha. „Eine geniale Kombi: Er schreibt,ich spreche“, sagt Maxi. Eine geniale Kombi sind die beiden aber auch im ganz privatenRahmen, wenn es um Familienmanagement geht. „Ich mache alles“, sagt Maxi. „Undich mach dann das andere“, lacht Stefan. „Ich habe immer alleine gelebt, michimmer alleine gefühlt. Jetzt spüre ich, dass ich auch mal loslassen könntedurch den Rückhalt der Beziehung. Und grade das hat mich viel stärker, viel cooler und viel erfolgreicher gemacht“, sagt MaxiBlaha. „Und ich bin größer geworden, habe mich besser gefunden“, meint Stefan FranzobelGriebl – bevor er, eindrücklich von Maxi erinnert, davoneilt, um Sohn Nepomuk pünktlichvom Kindergarten abzuholen.

Gabi und Klaus: Zwei im Obstgarten

Gabi Wild-Obermayr undKlaus Wild: Späte Liebe trägt die schönsten Früchte.

Schuld waren die Tomaten. Die trieben im Jahr 2000den Florianer Stiermastbauern Klaus Wild ins Eferding’sche Gemüseland, um beiGabi Obermayr Setzlinge zu kaufen. Dank zahlreicher intensiver“Beratungsgespräche“ gediehen die Tomatenpflänzchen gut – genauso wie nacheiniger Anlaufzeit auch die Beziehung zwischen den beiden. Als die beiden nachzweijähriger Probephase heirateten, waren sie mit 36 (Klaus) und 38 Jahren(Gabi) in einem – zumindest für ihre eigenen Begriffe – schon recht reifenAlter und Gabi längst schon an einem Punkt, an dem sie gedacht hatte, sie kommealleine gut durchs Leben. Dass sie das „hartnäckige Werben“ von Klaus dennocherhörte, lag zum Teil auch daran, dass die engagierte Bäuerin auf seinem Hofeine interessante berufliche Aufgabe sah. „Die sogenannte Liebe hält ja nichtfür alles her. Auch im Alltag muss man sich durch Gemeinsamkeiten ergänzen“, sagtdie heute 49-Jährige. Gemeinsam haben Gabi und Klaus einen florierendenGemüseund Obstbaubetrieb aufgebaut, in dem jeder seine eigenen Aufgaben undVerantwortungsbereiche hat. Und man merkt Gabi, die sicherlich der offensivereTeil des Paares ist, an, wie stolz sie dabei auf ihren Klaus ist, der schnell zumechten Obstbauexperten wurde. Gegenseitige Wertschätzung und Unterstützung sowiegemeinsame Ziele – das sind für Gabi Wild-Obermayr die Erfolgskomponenten ihrerBeziehung. Und das Schwärmen mit leuchtenden Augen muss auch sein, etwa davon,wie „talentiert“ Klaus als Musiker und Sänger sei.

Iris und Herbert: Ein Märchen

Iris und Herbert Wertgarner sind ein Paar wie aus einem Märchen, das seit 23Jahren andauert.

Iris Wertgarner bewundert ihrenMann Herbert gerne. Das muss sie nicht sagen, das sieht man. Das war so, alssie als 17-Jährige den um sieben Jahre älteren („Klar hab ich da irgendwie zuihm aufgeschaut“) Ennser kennengelernt hat. Das ist noch heute nach 23gemeinsamen Jahren so. Und irgendwie ist bei den beiden sowieso alles wie imMärchen. Die Jagd- und Sporthandelsfirma, die Herbert insechster Generation führt, floriert. Das gemeinsam renovierte Bauernhaus naheSt. Florian scheint nicht nur „Schöner Wohnen“ entsprungen zu sein, sondern“atmet auch diese Liebe zwischen uns“ (Iris). Und der englischitalienisch inspirierteGarten rundherum war sogar schon mal im Fernsehen! Ach ja: Die beidengemeinsamen Töchter entwickeln sich natürlich auch ganz prächtig. Iris undHerbert leben als Paar ein klassisches Rollenmodell. Für Iris war es stetsaußer Frage, dass sie statt eines eigenen Berufsweges in der Firma ihres Mannesmitarbeiten wird. Und Herbert fügt lachend an: „Zu Hause gibt dafür Iris denTon an, da liegt die Kompetenz klar bei ihr, weil ich meine im Geschäft schonverbraucht habe.“ Das Erfolgsgeheimnis ihrer Beziehung sieht Iris darin, dass“uns noch nie fad miteinander war. Wir konnten uns immer gegenseitigbegeistern“. So geht man gemeinsam auf die Jagd oder startet spontan einen Tripnach Wien ins Theater und pflegt einen großen Freundeskreis. Spiel und Spaß alsBeziehungsenergie, die auch für die gemeinsame Bewältigung von Problemen starkmacht – für Iris und Herbert funktioniert das perfekt!

Anna und Michael: Junge Liebe

Anna Moser und Michael Hager wagten miteinander das Abenteuer Selbstständigkeit -und fanden Liebe.

Oft trifft man frischverliebte Pärchen, die das Abenteuer „Zusammenziehen“ starten, in Möbelhäusern an.Und in denen wird so manche junge Liebe auf eine erste harte Probe gestellt. BeiAnna Moser und Michael Hager (beide 32) war es umgekehrt. Die jungen, schonlange befreundeten ArchitektInnen, pilgerten durch ein schwedischesEinrichtungshaus, als sie sich gemeinsam selbstständig machten – und verliebtensich dort. Heute teilen sie nicht nur Büro, sondern auch Schlafzimmer und Kücheund überhaupt alles. Für Anna und Michael ist das ein völlig natürlicherZustand: „Wir ticken beide gleich“, sagen sie nahezu unisono. Und Anna fügt an:“Ich mache alles auch in der Freizeit am liebsten mit Michael. Da ist nichts erzwungenoder mühsam. Wir haben uns, als wir nur Freunde waren, sogar mehr gestritten alsjetzt.“ Noch ist die Liebe der beiden jung, Belastungsproben gab es bisherkeine. Doch auch für diese wollen sie sich gut gelaunt wappnen. „Streitkulturmüssen wir sicher noch lernen“, schmunzelt Michael. Und erntet dafür einen herausforderndenSeitenblick von Anna, die wohl gerade dabei war, diesen ihren „idealen Lebensmoment“lächelnd zu genießen.