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Bücher Dezember 2012

Briefe und Beziehungen
Den Komponisten Arnold Schönberg und seine Mäzenin Alma Mahler verband ein sehr spezielles Verhältnis.

Alma Mahler ist auf vielfältige, teils skurrile Weise in die Geschichte der Künste eingegangen: als Almschi, die selbst komponieren will, als Muse des unglücklichen Kokoschka, der sich mit einer lebensgroßen Puppe zu trösten versuchte, als Frau des Architekten Gropius und des Schriftstellers Werfel; ihre Rolle als Objekt der Begierde berühmter Männer haben ihr Bewunderung, aber auch Häme eingetragen. Der – sorgfältig editierte und erhellend kommentierte – Briefwechsel mit Arnold Schönberg zeigt nun eine andere Alma: eine Mäzenin, die, überzeugt von der außergewöhnlichen Begabung eines Komponisten, bereit ist, alle ihr zu Verfügung stehenden Hebel in Bewegung zu setzen, um ihm aus seinen finanziellen Nöten zu helfen. Aus der Unterstützung erwächst eine nicht immer reibungslose Freundschaft, die bemerkenswert frei ist von persönlichen Bekenntnissen. Almas bewegtes Leben findet sich auf einen kurzen Satz reduziert: „Ich werde verheiratet, getrennt, ins Unendliche weiter – und – lächle.“

Als rätselhafte Nebendarstellerin tritt in den Briefen Mathilde Schönberg auf: leicht kränkbar, stets kränkelnd und schließlich todkrank. 1910 bedankt sich Schönberg bei Alma Mahler für eine Einladung, bittet aber auf seltsam eindringliche Weise, seine gescheite, aber schüchterne Frau in Zukunft ebenfalls einzuladen. „Sie nähert sich niemandem“, schreibt er. Dies mag befremdlich anmuten, hatte sich doch Mathilde Schönberg wenige Jahre zuvor dem Maler Richard Gerstl auf eine Weise genähert, die schließlich zu seinem Selbstmord führte. Die Bitte trifft auf fruchtbaren Boden: Mathilde wird in die gesellschaftlichen Ereignisse eingebunden; doch Schönbergs ständige Hinweise auf ihre angegriffene Gesundheit erwecken den Eindruck, als wolle hier einer seine Frau, deren Wirkung ihm nicht geheuer ist, blass und hilflos schreiben. Nach ihrem Tod meint er in weiser Voraussicht: „Man trauert ja wohl kaum so lang, als der Tote es verdienen würde.“ Zehn Monate später ist er wieder verheiratet.

 


Heide Tenner (Hg.):
Ich möchte so lange leben, als ich Ihnen dankbar sein kann.
Alma Mahler – Arnold Schönberg.
Der Briefwechsel.

Residenz Verlag
304 Seiten
Euro 24,90

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 12/2012 – von Astrid Graf-Wintersberger