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Bücher November 2013
Starke Teams
Zwei AutorInnen – ein Buch: Essay und Krimi als „Gemeinschaftsproduktionen“.

Man findet sie beim Briefwechsel. Oder bei Texten, die portionierbar sind. Seltener sind Autorenteams in Genres, wo das Endprodukt sozusagen aus einem Guss ist.

Beim gesellschafskritischen Essay zum Beispiel. Markus Metz und Georg Seeßlen haben 2011 mit dem Buch „Blödmaschinen“ein in jedem Sinne gewichtiges Werk vorgelegt. „Blödmaschine“ ist ein Wort, das man gerne selbst erfunden hätte und sofort in seinen aktiven Wortschatzaufnimmt. Dummheitsfabrikanten im Sinne der Autoren sind freilich nicht nur die üblichen Verdächtigen, die „Bild“-Zeitung oder das Fernsehen: Nein, es gehören auch traditionelle Bildungseinrichtungen dazu, Universitäten etwa oder Verlage, die sich die Auslöschung des eigenständigen Denkens zum Programm gemacht haben.

Wem die 700 Seiten fürs Erste zu viel sind, der kann als Einstieg den wesentlich schmäleren Band „Kapitalismus als Spektakel“ zur Hand nehmen, in dem die Autoren unter Einsatz bemerkenswerter Wortschöpfungen u. a. über die Verquickung von Ökonomie und Unterhaltung als Reaktion auf die Wirtschaftskrise („Econotainment“), über die“Redbullisierung“ als kulturelle Gleichmacherei durch Konsum oder über die Schein- Heiligkeit des Apple-Gründers reflektieren.

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Markus Metz/
Georg Seeßlen:
Kapitalismus als Spektakel.

Suhrkamp,
92 Seiten,
Euro 6,20

 

Auch der Krimi ist eher ein einsames Geschäft. Andererseits treten die ErmittlerInnen gern im Paarlauf auf, warum also nicht auch die AutorInnen? Wien und Berlin, zwei Mentalitäten, ein grenzüberschreitender Fall, angesiedelt zwischen Kunst und Kommerz, ein Kommissar und eine Kommissarin, bei denen es ein bisserl knistert: Aus diesen todsicheren Ingredienzien haben Petra Hartlieb und Claus-Ulrich Bielefeld eine Geschichte um eine ermordete Schauspielerin gestrickt, in der so manches an die österreichische Wirklichkeit gemahnt, aber nur ein wenig, sodass keine der betroffenen Persönlichkeiten ernsthaft verletzt wird: kein Rufmord, bestenfalls ein Morderl.

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Claus-Ulrich Bielefeld/ Petra Hartlieb:
Nach dem Applaus.

Diogenes,
400 Seiten,
Euro 15,40

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 11/2013 – von Astrid Graf-Wintersberger