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Bücher Oktober 2013
Fragen des Erwachsenwerdens:
Was brauchen Kinder und junge Menschen für ihre Entwicklung?

Schlagwörter wie „Helicopter- Mum“, „Nesthocker“ oder „Hotel Mama“ veranschaulichen die Situation manch überbehüteter Kinder. Im Gegensatz dazu wachsen viele Kinder mit Eltern auf, die das eigene Leben nur mit Mühe bewältigen können und mit der Erziehung von Kindern oft restlos überfordert sind. Der Frage, wie sich Menschen entwickeln, in deren frühester Kindheit fürsorgliche und liebevolle Eltern überhaupt keine Rolle spielen, die auf soziale Einrichtungen wie Kinderheime oder Pflegeeltern angewiesen sind, widmen sich in literarischer Form die beiden hier beschriebenen Romane:

Marjorie Celona schildert in ihrem ersten Roman die verzweifelte Suche eines jungen Mädchens nach dem Geheimnis seiner Herkunft. Shannon hat einige Pflegefamilien mehr schlecht als recht überstanden, ehe sie bei der fürsorglichen Miranda und ihrer Tochter Lydia-Rose ein Zuhause findet. Doch auch dort fühlt sie sich wie eine Fremde, und die Sehnsucht nach der Frau, die sie geboren hat, wird immer stärker. Ihre Suche beginnt mit dem einzigen Hinweis auf ihre Mutter, den sie hat: mit dem Zeitungsbericht von damals, als an einem kühlen Morgen im August eine schmale, junge Frau ein neugeborenes Mädchen auf den Stufen des YMCA ablegte und davoneilte.


Marjorie Celona:
Hier könnte ich zur Welt kommen.

Insel Verlag,
347 Seiten,
Euro 19,95

 

 

Die ebenfalls amerikanische Autorin Vanessa Diffenbaugh kennt die Problematik aus ihrer Erfahrung mit Pflegekindern, die sie in ihrer Familie aufgenommen und über längere Zeit betreut hat. Ihr Roman über eine junge Frau, die von Geburt an in Waisenhäusern und häufig wechselnden Pflegefamilien aufgewachsen ist und sich zu einer wortkargen und menschenscheuen Kratzbürste entwickelt hat, ist zugleich auch ein wunderbarer Roman für BlumenfreundInnen. Victoria blüht richtig auf, als sie mit achtzehn einen Aushilfsjob in einem kleinen Blumenladen findet. Vor der Annäherung an Menschen hingegen schreckt sie regelmäßig zurück. Doch der junge Mann, den sie am Markt der BlumenhändlerInnen kennengelernt hat, gibt nicht so schnell auf.


Vanessa Diffenbaugh:
Die verborgene Sprache der Blumen.

Droemer Verlag,
416 Seiten,
Euro 19,99

 


Erschienen in „Welt der Frau“ 10/2013 – von Karin Liebl