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Essen, das ins eigene Leben passt

Kochbücher hat man halt so. Manchmal auch dann oder sogar dann, wenn man weniger kocht als je zuvor. Und dann treffe ich dieses Buch und weiß: Es passt in meinen Blog. Weil es meinen Donnerstagnachmittag froher und leuchtender gemacht hat. Ja, richtig, das ist auch ein Auswahlkriterium der Werke, die ich hier vorstelle.

Eschi Fiege hat ein Werk vorgelegt, das spielerisch daherkommt und eine Energiebombe ersten Ranges ist. Lapidar erklärt sie beispielsweise, dass sie nur Zutaten verwendet, die „man vor dem Essen weder einsperren noch töten muss und die unsere Welt nicht ruinieren“. Sie klärt ihre LeserInnen auch über ihre Liebe zum Naschmarkt auf, kritisiert manche Entwicklungen und lässt letztenendes auch wieder alle so leben, wie sie es für richtig halten, mit lauter Musik und diesen Wärmepilzen. Denn diese Autorin weiß ganz einfach, was sie will: Gutes Essen und gute Gesellschaft. Daher steckt sie, die ja Anrainerin des Wiener Naschmarkts ist, einfach aus. Dann wissen die Bekannten und Freunde: Heute gibt es Mittagessen bei mir. Hier treffen sich dann Blumenhändler, Hausfrauen, Rentner, Band-Mitgleider, Kinder etc. in ihrem Wohnzimmer, im Sommer auch am Balkon und essen miteinander.

Manche sind als Fremde, Wildfremde heißt das in der Steigerung – kennen Sie eigentlich Zahmfremde? – gekommen und als Bekannte gegangen, sie sitzen jetzt als Freunde am Tisch und genießen. Es geht hier unaufgeregt zu, das merkt man sogar aus der Ferne, beim bloßen Blättern. Ich kenne kein Kochbuch mit so viel Lebensphilosophie und so wenig Dogma – wann geht der nächste Zug nach Wien? Die Autorin schreibt Spiel- und keine Kochanleitungen; sie gibt praktische Tipps fürs Kochen ganz allgemein, für einen guten Mittagstisch im Besonderen und zum Entwickeln von dreigängigen Menüs noch einmal im Besonderen-Besonderen.

Exzellente Food-Fotografien sowie eine mit Selbstdarstellungen extrem zurückhaltende Gastgeberin, also Autorin, machen auch das Schauen zur Entspannung: Hier produziert eine gestandene Frau gutes Essen und nicht selbst. Da schmort keine im eigenen Saft der Selbstverliebtheit, sondern lenkt die Blicke immer aufs Wesentliche: Eine angenehme Mittagspause, Entspannung und Überdenken des Lebensrhythmus’.

„Das Glück ist ein Restl“ ist ein Satz, der hängenbleibt. Meine Lieblingsseite ist die mit den Knödeln „zu Wasser“ und „zu Land“, da geht es auch um Erinnerungen.

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Einen Tritt, sich jetzt sofort ein ordentliches Mittagessen zu kochen. Eine Idee davon, dass es im Leben nicht um Perfektion, sondern um Solidarität geht. Eine Vision, genug anzutragen, dass das Essen für 8 Leute reicht. 205 Seiten lang mit einer Persönlichkeit in deren Küche zu stehen, keine High-Tech-Geräte zu erspähen, sondern im besten Fall ein Katzenvieh. Die Begegnung mit einer Frau, die schon viele Berufe ausübte, viele Länder bereiste und in einigen Städten lebte und die so einfach sagt: Ich stehe in meiner Küche und koche. Morgens, mittags und abends … Ich koche aus vollem Herzen.“ So politisch kann ein Kochen sein, so verändernd und neue Wege weisend.

 

 

Eschi Fiege’s Mittagstisch.

Leidenschaftlich vegetarisch.

Wien: Brandstätter Verlag 2014.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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