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Ewig jung und schön?

Wenn wir Alten ewig jung und schön bleiben, können unsere Jungen ganz schön alt aussehen neben uns…

Gesundheit ist ein beliebtes Thema unter uns Seniorinnen und Senioren (neben Essen, Reisen, Enkelkindern). Je mehr sie uns entschwindet, desto mehr versuchen wir, sie durch die Beschäftigung damit festzuhalten, sie in unserem Leben zu erhalten. Es ist nun einmal so, dass sich mit den Jahren etwas Sand im Getriebe ablagert. Der Blutdruck ist zu hoch, das Cholesterin sowieso, die Fingerknöchel werden dick, ja, ja, die Arthrose! Das Kreuz tut weh, glücklich, wer noch keinen Bandscheibenvorfall erleiden musste. Die Gelenke werden steif, das Bücken wird immer schwerer, fettes Essen am Abend geht gar nicht mehr, sind doch auch Leber, Galle, Milz, Bauchspeicheldrüse und was sonst noch zur Verdauung gehört, mit uns in die Jahre gekommen und ein bisserl träge geworden.

Aber da kommt uns doch der Jugendkult und die ganze Anti-Age-Bewegung sehr entgegen! Wird es doch gar nicht mehr lange dauern, dass wir uns ein Ersatzteillager für unsere alternden Organe anlegen können. Frau wie Mann könnte sich in jungen Jahren eigene Körpersäfte, Stammzellen, Hormone, etc. entnehmen lassen, diese auf Eis legen und sich diese später bei Bedarf wieder einverleiben. So könnte ein bisschen jugendliches Eigenblut den alten Knochen kurzfristig Flügel verleihen, zur Verstärkung der Wirkung angereichert mit Sauerstoff. Aus den Stammzellen von Organen, Haaren, etc. könnten ständig Ersatzteile erzeugt und damit im Körper nachgebessert werden, wenn es irgendwo kracht im Gebälk, oder das eine oder andere Organ gleich w.o. gibt. Und selbstverständlich könnten wir in Zukunft auch an unserem Äußeren ständig nachbessern, der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt (den Schönheitschirurgen anscheinend schon, wie so manches gruselige Beispiel zeigt)!

Und da ich soeben erst wieder gelesen habe, dass unser Körper ja ohnehin auf mindestens hundert Jahre Laufzeit ausgelegt ist, würden wir nicht nur ein Drittel davon so richtig schön, knackig und frisch über die Runden bringen, sondern vielleicht einen Großteil unserer Lebenszeit.

Aber um das einmal weiterzuspinnen…

Ich könnte dann als etwas ältere Frau, die schon so ziemlich alles an sich runderneuern hat lassen, mit 64 aussehen wie 25, oder? Meiner 40-jährigen Tochter würde als Kind ihrer Zeit aber vermutlich das Budget für derartige kostspielige Verschönerungsansätze fehlen. Ihre Generation lebt ja häufig in prekären Arbeitsverhältnissen oder als Selbständige, und muss sich mit schwindelerregend hohen Großstadtmieten um Existenzielleres als Facelifting kümmern.

Und so stelle ich mir vor, wie ich mit meiner optisch noch nicht verjüngten Tochter im Kaffeehaus beim gemütlichen Mutter-Tochter-Plausch sitze. Wer von uns beiden würde dann wohl die Aufmerksamkeit der eventuell vorhandenen Männer auf sich ziehen, SIE sieht doch aus wie 40!

Anneliese Pflügelmayr

arbeitete als Pädagogin und Mediatorin. Zuletzt war sie an der Pädagogischen Hochschule OÖ tätig, wo sie Deutschdidaktik unterrichtete und gemeinsam mit KollegInnen einen Lehrgang für Peermediation aufbaute. Seit einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA engagiert sie sich als Freiwillige für Jugendaustausch und diverse Sozialprojekte. Kommunikation und Begegnung mit Menschen sind ihr wichtig. In ihren Beiträgen wirft sie einen augenzwinkernden Blick auf das Alltagsleben als Seniorin, in dem sich vielleicht auch so manche Leserin wiederfindet.
Ihre Devise: Mit kritischer Distanz und Humor sollte sich doch das Älterwerden etwas leichter bewerkstelligen lassen!

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