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Familienbesuch (1)

Im August hatte ich Besuch von meiner Familie. Sie war überwältigt, lesen Sie hier die Eindrücke meines Vaters:

Aus dem europäischen Wohlstand in den Winter Lesothos kommend, bedeuteten die ersten Eindrücke sehr wohl einen gewissen Kulturschock. Allein die zweistündige Fahrt mit dem öffentlichen Bus von der Hauptstadt Maseru zur St. Luke´s Mission in Maputsoe war ein Abenteuer. In einem mit Menschen und Waren aller Art (Autoreifen, Obst, Gemüse, Kartonagen…) überfüllten Fahrzeug, verfolgte ich das Geschehen mit offenem Mund, während auf den Schößen meiner Töchter kleine einheimische Kinder saßen, deren Vater ein Huhn im Arm hielt. Die einzige asphaltierte Hauptstraße Maputsoes war gesäumt von hunderten von Händlern, die am Straßenrand – teilweise in Wellblechbuden – ihre Waren feilboten. Daneben Schafe, eingepfercht in kleinen Umzäunungen, und all das unter ständigem Hupen vorbeifahrender Autos verbunden mit großem Lärm von lauter Musik und Geschrei der Menschen. Dazu die wahnsinnige Verschmutzung der Straße und ihrer Umgebung. Müll aller Art in den Rinnsalen und den Straßengräben in Ermangelung einer Müllabfuhr und einer fehlenden Kanalisation. Erschwerend machte sich noch der allgegenwärtige rote Sandstaub bemerkbar, der sich, meist aufgewirbelt durch kühle Winde, in die Kleidung fraß und sich sogar an den Schleimhäuten von Mund und Nase unangenehm festsetzte.

Während des Tages herrschten milde Temperaturen, in den Nachtstunden Grade unter dem Gefrierpunkt. Das kleine Haus, in dem meine Tochter mit ihrer Kollegin untergebracht ist, ist geräumig aber sehr einfach ausgestattet, Sanitäreinrichtungen sind jedoch vorhanden. Fehlende Isolierung und Heizung verwandeln die Unterkunft in ein eiskaltes Domizil. Schlafen unter erschwerten Bedingungen mit mehreren Schichten an Kleidung und Decken ist die Norm. Die Bevölkerung Maputsoes lebt jedoch auf engstem Raum noch einfacher. Strom ist vorhanden, Wasser ebenso, das WC steht im Freien unter Wellblechverschlägen.

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