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„Die Frau trägt das Wasser. Sie trägt aber auch das Leben.“  Marie-Justine, eine wahrhaftige Kennerin der Family of Man, weist auf die Zusammenhänge innerhalb der Ausstellung hin. Bilder von Schwangeren sind am Start in einer Rundung gehängt, die in der Urausstellung im New Yorker MoMA noch durch einen Vorhang angedeutet wurde. Sehr stimmig. Und wenn es um das Thema Wasser geht, das als kostbarester Schatz der Erde gezeigt wird, ist die Frau wieder ganz zentral da in den Bildern. Man könnte meinen, die Fotoredaktion wär grad auf Fortbildung gewesen. Naja – die Ausstellung Family of Man ist schon echt beeindruckend – inhaltlich auch – nicht nur wegen der äußeren Zahlen… (Es handelt sich um eine Fotosammlung angelegt in den 1950er-Jahren, mit 503 Aufnahmen von 273 Fotografen, ausgewählt aus tatsächlich vier (!) Millionen Bildern und thematisch arrangiert  von Edward Steichen und seinem Mitarbeiter Wayne Miller, gesehen als Wanderausstellung in der ganzen Welt von rund 10 Millionen Besuchern… !)

Marie-Justine erklärt viel: Warum was wie hängt und was das in dieser Zeit bedeutete.  Auch für die Welt der Frau erscheint mir das höchst interessant, denn die Frauen sind schon damals für diesen Kurator ein großes Thema gewesen. Die Rolle der Mutter von Steichen findet sich gespiegelt in der Ausstellung. Sie war die Familienernährerin, schneiderte Kleider im europäischen Stil und verkaufte sie in der neuen Heimat Amerika. Zahlreiche  Frauen im Arbeitsleben zeigt der Kurator Edward Steichen linear auf einer Höhe, um nicht zu werten. Fotografinnen sind leider nur schwach vertreten, aber das lag vermutlich am Angebot. In dem Raum mit den Fotografien zum Thema Essen hängt das formatmäßig kleinste Bild der Ausstellung. Es wurde von Steichen selbst fotografiert: Seine Mutter, mit Apfelkuchen vor dem Haus, denn – so begründete er:  „Diese Frau hat den Samen gesät für diese Ausstellung, von ihr lernte ich Neugier und Toleranz.“

Edward Steichen selbst und sein bekanntes Werk  Family of Man wurde viel kritisiert, ausgezeichnet, theoretisch hinterfragt, zerquetscht, gelobt und gemobbt. Meine Meinung darüber ist nun selbstgemacht: Ich finde, es zahlt sich aus, das Gesamtwerk anzusehen, dazu gehört die Ausstellungsarchitektur.  Wer neugierig ist, sollte sich also die Originale-Austellung in Clervaux, Luxemburg,  ansehen, es ist ruhig dort und stimmig. Da sind umwerfende Bilder von großen Meistern dabei, die Geschichten zu jedem einzelen Bild sind fazinierend. Historisch wertvoll, nicht nur für FotografInnen.  Und wenn man es sich aussuchen kann: Am besten führt Frau Marie-Justine durch die Ausstellung!

 

 

Alexandra Grill

lebt und fotografiert derzeit hauptsächlich im Mühlviertel, OÖ. Die Fotografin ist seit 2011 Bildredakteurin der Zeitschrift „Welt der Frau“ und unterrichtet u.a. an der Prager Fotoschule Österreich. Das Alltagsleben mit Mann, Kind, einem spannenden Job und vielen bunten Extras bietet oft überraschende Motive. Und wenn Alexandra Grill auf Reisen geht, dann gibt es Impressionen von anderswo hier im Blog.
Foto: Kurt Hörbst
http://www.alexandragrill.com

 

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