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Um den Hund zu verstehen, muss man den Wolf erforschen
Die Verhaltensbiologin Friederike Range forscht über Wölfe und Hunde und ihre Beziehung zum Menschen.


Frau Range, wie kamen Sie dazu, mit Wölfen zu arbeiten?

Friederike Range: Ich habe für meine Doktorarbeit in den USA mit Affen gearbeitet. Mich hat damals schon interessiert, wie die Tiere miteinander kooperieren. Um das Thema „Kooperation“ zu erforschen, bin ich zu den Wölfen gekommen. Der Wolf kooperiert vor allem bei der Aufzucht von Jungen, aber auch bei der Jagd und beim Verteidigen des Reviers. Man muss den Wolf auch erforschen, um den Hund zu verstehen und das, was während der Domestikation passiert ist.

Wölfe leben im Rudel. Da liegt die Annahme nahe, dass sie kooperativer sind als Hunde.
Das nehmen wir auch an. Unsere Hypothese ist, dass Wölfe zumindest miteinander kooperativer sind als Hunde. Wölfe ziehen ihre Jungen zum Beispiel gemeinsam auf, beim Hund zieht das Weibchen die Welpen alleine auf. Aber wie das mit dem Menschen als Partner ist, muss man erst sehen. Unsere Versuche haben bis jetzt gezeigt, dass der Wolf den Menschen als Sozialpartner akzeptieren und Informationen von ihm übernehmen kann, zumindest wenn Wölfe so stark sozialisiert sind wie bei uns. Wir ziehen sie mit der Hand auf und arbeiten auch täglich mit ihnen.

Wer ist klüger, der Wolf oder der Hund?
Das kommt sehr auf den Kontext an. Der Hund kann in unserem System überleben als Haushund, der Wolf tut sich schwerer damit. Wenn ich aber den Hund nach Sibirien schicke, hat der Wolf wahrscheinlich bessere Chancen zu überleben als der Hund. Je mehr wir forschen, stellen wir aber auch fest, wie ähnlich sich die Tiere sind.

Vor Wölfen haben Sie keine Angst?
Nein, ich traue unseren Wölfen komplett und habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen. Aber es sind Wölfe und keine Hunde, man muss vorsichtig mit ihnen umgehen. Dasselbe gilt aber auch für große Hunde, die nicht so gut sozialisiert sind.

 

Frederike Range (43)

studierte Biologie an der Universität Bayreuth und schrieb ihre Doktor­arbeit in den USA. Die gebürtige Deutsche ist Mitbegründerin und Leiterin des „Clever Dog Lab“ im Umfeld der Universität Wien und des „Wolf Science Center“ in Ernstbrunn (NÖ). 2012 wurde die Mutter von zwei Kindern mit dem „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrats (ERC) ausgezeichnet, der mit 1,3 Millionen Euro dotiert ist.