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Frau im Blickpunkt: Caroline Kerschbaumer
Die Goldschmiedin Caroline Kerschbaumer engagiert sich für fair gehandeltes Gold und hat über Umwege ihren Beruf und ihre Berufung gefunden.

Sie sind eigentlich Juristin und haben sich auf internationale Menschenrechtsthemen spezialisiert. Wie ist der Wunsch entstanden, einen handwerklichen Beruf zu ergreifen und Goldschmiedin zu werden?

Caroline Kerschbaumer: Es war ein längerer Prozess. Ich war nicht mehr damit zufrieden, vor dem PC zu sitzen und reine Kopfarbeit zu machen. Mir wurde klar, dass ich etwas Kreatives machen wollte, etwas mit den Händen. Plötzlich war der Beruf Goldschmiedin in meinem Kopf.

Sie arbeiten mit fair gehandeltem Gold und haben eine Initiative für fairen Goldeinkauf begründet. Warum ist Ihnen das ein Anliegen?

Ich habe internationale Menschenrechte studiert und wusste Bescheid über die Bedingungen im Bergbau. Herkömmliche Goldproduktion bedeutet vor allem im Kleinbergbau Ausbeutung und massive Gefährdung der Arbeiter. Um das Gold, das von Natur aus legiert ist, zu trennen, werden im Goldabbau Gifte wie Quecksilber oder Zyankali verwendet. Das ist nicht nur für die Arbeiter gefährlich, die oft weder Schutzkleidung noch Atemschutz haben, sondern auch für die Region, wenn die Gifte ins Trinkwasser gelangen.

Was bedeutet „faires Gold“?
Faires Gold hat zwei Herkunftsquellen, zum einen wird Recyclinggold von nicht mehr verwendeten Schmuckstücken neu verarbeitet, das ist am ressourcenschonendsten. Zum anderen erfolgt der Abbau von fairem Gold aus zertifizierten Goldminen. Das bedeutet nicht nur einen garantierten Mindestpreis sowie eine Sozialprämie, sondern auch ein Verbot von Kinderarbeit, Schutzausrüstung, einen minimierten Einsatz von Chemikalien und eine Stärkung der Bergarbeiterorganisationen.

Sind die Schmuckstücke aus fairem Gold teurer?
Im Einkauf ist das faire Gold teurer, da wir aber auch mit Recyclinggold arbeiten, gibt es im Verkauf keine Auswirkung auf den Preis.

Caroline Kerschbaumer (32) studierte Jus in Wien und arbeitete bei NGOs in Öster­reich, Mexiko und Holland zu Menschenrechts­themen. Mit 28 Jahren begann sie ihre Ausbildung zur Gold- und Silberschmiedin. Caroline Kerschbaumer ar­bei­tet in der Wiener Schmuckwerkstatt Skrein, die als erste in Österreich die gesamte Produktion auf fair gehandeltes Gold umgestellt hat.

 

Erschienen in „Welt der Frau“ 04/14 – von Julia Langenender