11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
Fremde Sprache - schwere Sprache

Wenn Sie eine fremde Sprache lernen, dürfen Sie sich nicht vor Missverständnissen fürchten…

Bei meinem nunmehrigen jahrzehntelangen „Studium“ der italienischen Sprache – es handelt sich dabei mehr um eine gute Absicht als um ein Studium –  sind mir und meinen Sprachkolleg/innen naturgemäß schon Fehler passiert, die den anwesenden Italiener/innen vermutlich die Haare zu Berge stehen ließen, bzw. sie zu inneren Lachkrämpfen verführt haben. Anmerken ließen sie sich das nie, sind eben ein sehr freundliches Volk, die Italiener/innen!

Vor Jahren koordinierte ich ein EU-gefördertes Comenius-Projekt, dabei arbeiteten wir mit einer Schule in Livorno zusammen. Zweimal im Jahr trafen wir einander, um die weitere Vorgangsweise zu überlegen. Und nachdem die italienischen Kolleginnen uns besucht hatten,  eine davon mit ihrem Ehemann, war ein Gegenbesuch in Italien angesagt. Bei der Begrüßung vor der Schule ging ein Freund und Kollege von mir fröhlich auf die Dame zu, die zuvor ihren Ehemann nach Österreich mitgebracht hatte. Seine herzlichen Begrüßungsworte waren: „Buon giorno, Signora! Come va il tuo matrimonio?“

Ungläubige Blicke von den anwesenden italienischen Kolleginnen, nach einer Schrecksekunde schallendes Gelächter:  Er hatte sich gerade erkundigt, wie es um ihre Ehe stand ( il matrimonio = die Ehe, Hochzeit)!  Dabei wollte er sich nur höflich nach ihrem Ehemann ( il marito) erkundigen!

Beim selben  Aufenthalt marschierte ich eines Morgens hungrig zum Frühstücksraum und fragte die anwesende Bedienung: Dov’è la calzone (eine gefüllte Pizza)?

Die bekam ich natürlich nicht, dafür erfuhr ich,  wo das Frühstück eingenommen wurde, la colazione.

Es gibt so viele Wörter, die einander zum Verwechseln ähnlich sind, das fällt einem erst in einer Fremdsprache auf. Im Italienischen gibt es die Wörter “ il quadro – il quaderno – la squadra – lo sguardo“ , die  sind doch schon beim Lesen schwer auseinander zu halten, dabei noch dreimal mit „qu“, einmal  mit „g“!

Und die Bedeutung ist jeweils eine völlig andere: “ das Bild – das Heft – die Mannschaft – der Blick“.

Davon haben wir in der deutschen Sprache auch einiges zu bieten, stellen Sie sich vor, Sie lesen, der deutschen Sprache unkundig, zum ersten Mal die Wörter „Krampen – kranken – kränken – kramen“ , sollen diese auseinanderhalten und sich die jeweilige Bedeutung dazu merken? Da könnte es durchaus passieren, dass Sie dem Arzt erzählen, Sie hätten einen Krampen-Fuß!

Wenn dann noch die umgangssprachlichen Ausdrücke dazukommen, wird es gänzlich undurchschaubar.

Wir hatten einmal einen lieben Freund aus Argentinien zu Besuch. Er ist Universitätsprofessor und hatte zuvor  für einige Monate im Rahmen eines Dozentenaustausches  in Berlin gelebt. Über die Weihnachtsfeiertage besuchte er uns in Österreich. Natürlich wollten wir ihm auch Wien zeigen, und an einem klirrend kalten Tag liefen wir mit ihm durch die Bundeshauptstadt, nicht allzu lange, dann war ein Kaffeehausbesuch angesagt.  Wir betraten ein typisches Altwiener-Kaffeehaus. Erleichtert zog er seine Jacke aus, hängte sie über einen der alten Kleiderständer, blickte in die Runde und sagte laut: “ AH, VIELE WARME HIER!“

Ja, wie sollte er wissen, was das bei uns bedeutet! Er wollte doch nur seiner Freude Ausdruck verleihen, dass es endlich warm war!

Ich finde es schön, dass solche Verwechslungen passieren. Wie viele Vokabel ich schon gelernt und vergessen habe! Aber an solche lustigen Geschichten werde ich mich ein Leben lang erinnern!

 

 

Anneliese Pflügelmayr

arbeitete als Pädagogin und Mediatorin. Zuletzt war sie an der Pädagogischen Hochschule OÖ tätig, wo sie Deutschdidaktik unterrichtete und gemeinsam mit KollegInnen einen Lehrgang für Peermediation aufbaute. Seit einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA engagiert sie sich als Freiwillige für Jugendaustausch und diverse Sozialprojekte. Kommunikation und Begegnung mit Menschen sind ihr wichtig. In ihren Beiträgen wirft sie einen augenzwinkernden Blick auf das Alltagsleben als Seniorin, in dem sich vielleicht auch so manche Leserin wiederfindet.
Ihre Devise: Mit kritischer Distanz und Humor sollte sich doch das Älterwerden etwas leichter bewerkstelligen lassen!

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.