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Frischluft

Michael steht seit einigen Tagen schon gegen sieben Uhr an der Tür und schluchzt sehnsuchtsvoll „Schauki Schauki!“. Wenn es nach ihm ginge, würden wir uns schon vor dem Morgengrauen aufmachen, um auf den Spielplatz zu pilgern. Michael würde dort wie der Wirbelwind in gewohnter Manier zwischen Spielturm, Sandkiste und Schaukel herumflitzen – emsig, glücklich und sehr begeistert. Meine wasserfesten Wanderschuhe, die ohnehin nie einen Berg gesehen haben, sind ihrer wahren Bestimmung zugeführt worden: Allwettertrekking auf der Abenteuerpiste Kinderspielplatz. Es ist fast meditativ, Michael dabei zuzusehen, wie er so intensiv alles um ihn herum wahrnimmt, jedes Steinchen umdreht und alles ausprobiert. Die Interaktionen mit anderen Eltern und Kindern sind für mich meist ganz mühelos und ebenso entspannend.

In den Weihnachtsferien waren wir zu Besuch bei meiner Familie und ich durfte eine wunderschöne Erinnerungsreise in meine Kindheit erleben. Jeden Tag am Vormittag habe ich mich aufgemacht, um mit Michael auf meinen Lieblingsspielplatz zu gehen inmitten meiner Herkunftsstadt. Mir wird wirklich warm ums Herz, und ich verbinde so viele schöne Erinnerungen mit diesem Ort. Aus Erzählungen meiner Mutter weiß ich, dass wir fast jeden Tag dort waren. Angrenzend an den Spielplatz ist noch dazu mein ehemaliger Kindergarten, der so niedlich und klein wirkt, als hätte man ihn eingeschrumpft. Vermutlich liegt das nur an meiner jetzigen 175-cm-Perspektive als gestandene Frau, und das Areal war immer schon so überschaubar. Michaels Urgroßväter, also meine Großväter, kümmerten sich angeblich rührend um mich, als ich noch klein war. Einer von ihnen begleitete uns bei einem Besuch am Spielplatz meiner Kindheit. Es war so herrlich, so unbeschreiblich heilsam, erfüllend und anrührend gleichzeitig, wie die beiden miteinander die Enten fütterten und spielten. Wie eine wohlig-warme Rückblende in meine eigene Kindheit. Was für ein Glück ich haben durfte in eine so große, liebende Familie geboren worden zu sein und wie sich mein Glück jetzt verdreifacht hat, da ich meinen Sohn ebenso in ein solches Nest einbetten darf! Ich bin unendlich dankbar für all die wunderbaren Menschen und guten Seelen in meinem Leben, das ist vielleicht das größte Glück.