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5. Jänner: ...für mich eine Rose...

Geht es Ihnen auch so? Erst freut man sich ganz narrisch auf die Feiertage, die heimkommenden Kinder, die Tanten, die zusätzlichen Haustiere, die Besucher, die Verwandten, und die lieben „auf einen Sprung“ hereinschauenden Firmpatinnen und Nachbarn, und plötzlich, so um den Dreikönigstag herum, kippt die Euphorie. Dann hat man das Gefühl, alle wären lästig („warum fragt sie so blöd?“), verfressen („bei ihr wird nie so aufgetischt“), anstrengend („ja, natürlich zeige ich dir wie man einen Hasen zerlegt“) und unsensibel („das ist mein Sitzplatz, das dürfte er wissen, dieser Sack“).

Die Feiertage waren schön, doch anstrengend und ich fühle mich ausgelaugt. Heuer ganz besonders, denn ich werde auch den Schnupfen, der von dumpfen Kopfschmerzen begleitet wird, nicht und nicht los. Krank? Der Wechsel? Eine Wetterdepression? Vielleicht, weil ich ein alter Schinken geworden bin? Früher sprang ich beherzt hinter dem Christbaum hervor wenn Gäste kamen, in der linken Hand ein Pünschchen, in der rechten eine Spritzkerze, und auf den Lippen ein fehlerfreies „Maria durch ein Dornwald ging“ für die bezauberten Gäste. Heute hänge ich nach der dritten Runde „Mensch ärgere dich nicht“ mit dem quengelnden Neffen und dem zweiten Mal Geschirr abservieren schlaff in den Seilen und lächle eigentlich nur deshalb, weil sich das im Umkreis von drei Metern um den Christbaum so gehört. Ich starre auf unseren Christbaum und finde ihn gar nicht mehr so schön wie noch vor ein paar Tagen. Er welkt, genau wie ich.

Ich verabschiede innerlich die heurige Weihnachtszeit, den Sylvesterrummel, die Jahresbegrüßrituale, verweigere alle weiteren Umtrunke und blicke in mein Herz. Ein letztes Mal heißt es noch durchhalten, werden doch gewiss wieder die Sternsinger vorbeikommen und vor der Haustür singen. Aber das geht immer schnell und im Grunde freue ich mich recht darüber. Am Abend räume ich den Christbaum ab, demontiere die Lichterkette, lege das blinkende Rentier in seine Schachtel und verstaue alles am gewohnten Platz im Kellerregal.

Bald ist wieder Zeit für mich, für meine Wünsche, Bedürfnisse, Sehnsüchte. Ich lasse Tannenzweige Tannenzweige sein, gehe weiter auf meinem Weg durchs Leben, und schenke mir in Gedanken eine Rose.

 

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