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Gatsch gegen Tablet

Michael stochert voller Begeisterung mit einem gefundenen Ast in einer großen, durch den aufgewühlten Dreck, trüben Pfütze herum. Dabei hat er seinen angestrengtesten wenngleich freudigsten Gesichtsausdruck – er scheint das sehr zu genießen. Als nächstes wird ein Körperteil nach dem anderen vorsichtig eingetaucht, dann matscht noch die Hand ein bisserl herum und zu guter Letzt hockt das ganze Kind in der wunderbaren Pfütze, vor Glück strahlend und vom Gesicht bis zu den Schuhen voll mit Matsch. Wenn Sie jetzt schon vom Lesen aufgestellte Zehennägel oder eine gekräuselte Stirn bekommen haben – was glauben Sie, was das für ein Anblick war! Niemals hätte ich gedacht, dass ich so eine Matsch- und Dreck-Mama werde, dass es mich kalt lässt, meine Jacke ebenso häufig waschen zu müssen wie seine Abenteueroutfits. Das hat mir wirklich der Knirps beigebracht! Seine riesige Freude an Pantschen im Dreck, seine Konzentration und seine gatschfröhlichen Experimente zeigen mir, dass es einfach wichtig ist für den Kleinen, dieses Bedürfnis auszuleben. Und was soll’s, das bisschen extra Waschen kriegen wir auch noch hin. Besonders amüsant sind für mich Situationen, in denen Eltern mit ihren Kindern an unseren Matschgruben vorbeikommen und Nase rümpfend ihre Kinder mit Worten wie „Um Gottes Willen, sicher nicht!“ oder „Nein, Marie Louise, da gehen wir nicht hin, sonst siehst du auch so aus.“ wegzerren. Ich liebe es! Ich hätte direkt Lust mich auch in den Gatsch zu hocken – wer weiß, vielleicht mache ich das auch bald mal.

Heute hatte ich einen merkwürdigen Gedanken: vielleicht will ich ihm eine Vielfalt an Naturerlebnissen ermöglichen, weil ich eigentlich ein schlechtes Gewissen habe, verursacht durch ein Verhalten in unserer Familie, das ich problematisch finde. Mein Mann und ich sind wirklich sehr mit unseren Smartphones verwachsen und fernsehen auch in unserer Freizeit das ein oder andere Mal. Dass der Fernseher mal nebenbei läuft, gibt es, seit Michael auf der Welt ist, gar nicht mehr, das würden wir beide nicht wollen. Trotzdem sind Fernseher, Smartphone und Tablet wie Magneten für den Kleinen, sicher auch durch die Vorbildwirkung. ExpertInnen wiedersprechen sich, was der optimale Umgang mit den elektronischen Medien ist – wir haben unsere Erziehungslinie diesbezüglich noch nicht festgelegt. Im Moment versuchen wir, sämtliche Geräte weitestgehend zu vermeiden. Das Gatschwatscheln hingegen– das gehört schon fix dazu und ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.

 

 

 

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