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Fragen Sie nicht. Nicht, wo Unken liegt. Nicht, warum Karl-Markus Gauß noch niemals dort war. Fahren Sie selber nach Unken. Gut, dann klären Sie doch, wo Unken liegt. Lapidar reihen sich da Gauß’sche Glossen, Essays und Reden aneinander, flüssig geht ein Text in den anderen über, eine grandiose Auswahl an bisher Publiziertem.

Gauß für EinsteigerInnen und Fortgeschrittene sozusagen. Die EinsteigerInnen, auch die Nicht-SalzburgerInnen unter ihnen, lesen mit Genuss „Frau Jagger verliert einen Ring“ und kapieren zwischen den Zeilen die Gauß’sche Kritik am Geziere und Gehabe der Festspiel-Society in der Tarnung der Charity-Sponsoren und MenschenrechtsaktivistInnen.

Zum Humanismus der Charity-Gesellschaft braucht es dreierlei: Erstens Kameras, zweitens Leute, die begierig sind, aufs Bild zu kommen, und drittens Hungernde, Kranke, Obachlose – Menschen also, deren Lage schlecht genug ist, dass sie sich nicht dagegen wehren können … Denn herrlich ist es nur, für die Obdachlosen, nicht mit ihnen zu dinieren.

Die in vier Großkapitel aufgeteilten Texte zeigen die Schwerpunkte der Arbeit des mehrfach ausgezeichneten Salzburger Schriftstellers, dessen Reisen an die Ränder und sein Einstehen für Minderheiten, besser klingt hier „kleine Nationalitäten“. Wenn er anlässlich der Internationalen Bibliothekskonferenz 2013 in Wien einen Text mit dem Titel „Neunzig Sekunden Lektüre. Vom Lesen“ präsentierte, dann widerspricht er der weitläufigen Meinung von minderen Leseleistungen, nach der 20 Prozent der Wiener Schüler das Lesen in seiner elementaren Form nicht mehr beherrschten.

Wie war es früher, bei den Arbeiterfamilien, bei den mittleren Angestellten, wurden dort nicht die lesefreudigen Kinder bedroht, dass das Lesen ihre Augen verderbe? Was aber bedeutet Lesen genau: „Dass sich der Einzelne lesend eine eigene Welt erschafft“. Da lässt sich ansetzen, da liest man gern weiter und sucht dann nach weiteren Büchern des 1954 geborenen Autors, dessen Texte aus den vergangenen zwanzig Jahren hier zu einem einzigen Leserausch führten. Ohne Kater, mit einer tiefen Sehnsucht, für ihn nach Unken zu fahren und ihm von dort eine Postkarte zu schicken.

Karl-Markus Gauß: Lob der Sprache
Glück des Schreibens
Salzburg: Otto Müller Verlag 2014

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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