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Einheimische ziehen aus dem Südburgenland weg, weil es keine Jobs gibt, Fremde siedeln sich bewusst dort an. „Toskana Österreichs“ nennen sie die entlegene Weinregion, weil sie Ruhe, mediterranes Klima und rustikale Kellerstöckl bietet. Zu Besuch an einem preiswerten Platz an der Sonne.

Monika Stanke (77) war die „erste Auswärtige“ in Eberau. Um 160.000 Schilling erwarb sie vor 40 Jahren die leerstehende Wagenschmiede als Wochenenddomizil.

Vor 100 Jahren, als das Burgenland noch zu Ungarn gehörte, war die Region um Eberau ein Wirtschaftsstandort. Vom Schneider bis zum Fassbinder war alles vorhanden. Jeder war Selbstversorger, hatte einen Hof mit Kühen, Schweinen und Hühnern, dazu ein Stück Wald und einen Weingarten. Mit der Errichtung des Eisernen Vorhangs 1948 fielen die einstigen Handelsbeziehungen weg. Die Folge waren Rückentwicklung und Abwanderung der Bevölkerung, speziell ab den 1970er-Jahren. Die Wiener Architektin Monika Stanke profitierte davon. „Die Sommer damals waren so heiß, dass wir nur noch eines wollten: raus aus der Stadt! Das Zeitungsinserat zum Verkauf eines burgenländischen Bauernhofs kam da gerade recht“, erinnert sie sich an den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Während ihre Kinder durch den Garten tollten, legte sie feuchte Mauern trocken und schaffte aus Rumpelkammern zeitlose Wohlfühloasen. Auch das Nebengebäude mit den Lehmwänden und dem verfaulten Holzboden bewahrte sie vor dem Abriss. Dort gestaltet sie nun alte Weinfässer um, malt Aquarelle und genießt ihre „heilige Ruh“…

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Die Salzburgerin Brigitte Wagner (63) und ihr Mann Charlie (67) sind „angekommen“: Sie bewohnen das älteste Haus im Ort, einen Streckhof mit Arkaden aus dem Jahr 1747.

„Seid ihr verrückt? Was wollt ihr in einem verfallenen Hof in einer Gegend, wo Fuchs und Hase sich ,Gute Nacht‘ sagen?“, seufzten FreundInnen, als die Wagners von Salzburg ins Südburgenland übersiedelten. „Ihn renovieren und glücklich sein“, konterten sie, und schon waren sie weg. Seither glänzt das alte Anwesen in neuem Licht – und mit ihm auch die Rauchkuchl, die durchhängende Gewölbedecke, die einst Getreidespeicher war, und der Saustall, der nun ein Kunstatelier ist. „Von April bis November leben wir draußen, so warm ist es hier“, sagen die Hausherren und bereiten in der Sommerkuchl Bohnensterz zu…

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Seit zehn Jahren wohnt das Tiroler Ehepaar Renate (70) und Peter Hojas (73) in der alten Schmiede in Moschendorf.

Um der Abwanderung entgegenzuwirken, entwickelten die Gemeinden rund um Eberau einen Plan. Ab 2004 fingen sie an, mit leer stehenden Gebäuden, Grundstücken und Qua­dratmeterpreisen von 3,30 Euro um ZuwanderInnen aus dem Westen zu werben. Die Hojas ließen sich nicht lange bitten. „Als wir einzogen, stand sogar das Geschirr schon bereit“, erzählen die Pelznäherin und der Postbeamte. Im pannonischen Herbst sitzen sie gern auf ihrem Bankerl, flechten Körbe, knacken Nüsse und kochen das Gartenobst zu Marmeladen ein. Dass das Leben hier völlig konträr zur Tiroler Bergwelt ist, gefällt ihnen. Die Ruhe sei einmalig, die Gastfreundschaft ebenso: „Am Anfang haben wir uns direkt g’schreckt, weil hier jeder grüßt.“…

Lesen Sie weiter  in „Welt der Frau“ 09/16.

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Erschienen in „Welt der Frau“ 09/16 – von Petra Klikovits