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Genug ist manchmal wirklich genug

Markus Bogner lebt auf seinem Bauernhof, dem Boarhof, im Rhythmus der Natur. Dieser einfache Aussagesatz klingt wirklich nichtssagend, wie das Skript zu einem Werbespot, in dem gleich ein sprechendes Schwein auf einen zurast. Dabei ist das alles ganz ehrlich und ganz echt: Der Markus Bogner nämlich, der schreibt von seinem Werdegang nicht wie ein Heiliger seine Biographie, sondern wie ein junger Mann, der wissen wollte, was ein gutes Leben ist.

So ein Frühlingstag hier bei uns auf unserem Bauernhof ist für mich und meine Familie wie Balsam für die Seele. In der Natur sein, sich die Zeit nehmen, Dinge wachsen zu sehen, zu beobachten, wie aus winzigen Samen Lebens-Mittel werden – das einfache und doch so folgenreiche TUN. (S. 19)

Da hat er erst einmal zehn Jahre als Rettungsfahrer gearbeitet, da hat er selbst auch einmal Kartoffeln zum Waschen nach Italien gefahren und sieht seither die Frage des Bruttoinlandsproduktes wirklich völlig anders. Sympathisch ist die Unaufgeregtheit seiner Darstellungen, ja, anfangs habe er sich nicht so sehr mit Permakultur auseinandergesetzt, später dann schon. Niemand wird sich darüber wundern, dass er und seine Familie sich zivilgesellschaftlich engagieren, Flüchtlinge am Hof Praktika machen dürfen und so lernen, welchen Unterschied es zwischen der Landwirtschaft in ihrer Heimat und der in Bayern gibt.

In elf Kapitel gegliedert legt Bogner einen Text vor, den man sofort als Schulbuch verwenden sollte: Bio ist drin, Ethik sowieso, politische Bildung auf jeder Seite – man muss nur vernetzt denken wollen und schon erkennt man, wie es gehen könnte. Auch das Verändern nicht gleich auf Perfektion trimmen, sondern überlegen, welche Schritte auch langfristig wirksam sind. Genial übrigens, wie einem hier der Weg zur eigenen Karotte geebnet wird: Vielleicht probiert man es ja einfach einmal aus. Überzeugend sind Bogners Berechnungen des 2.000-Quadratmeter-Ackers: Es ist genug für alle da und was genau heißt es, die Welten in eine erste, eine zweite, eine dritte und jetzt sogar in eine vierte Welt zu unterteilen?

MHD – Mindesthaltbarkeitsdatum, auch das deutet der Autor richtig: Warum vertrauen KonsumentInnen, die ja an sich auch vernünftige Menschen sind, einer vier- bis sechsstelligen Ziffernkombination eher als den eigenen Sinnen? Warum müssen Zucchini eine bestimmt Größe aufweisen, damit sie in die Kiste dürfen?

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Wissen, Erleben, Ideen und Gedanken zum guten Leben, gut umsetzbare Tipps, für die man sich keinen Biobauernhof pachten muss, sympathische Auseinandersetzung mit dem eigenen Werdegang und klare Sicht auf die getroffenen Entscheidungen, keine Klugscheißerei, sondern bedachte Heransgehensweise an die Frage: Was ist ein gutes Leben? Für mich und gleichermaßen für die anderen.

 

Der Autor, 1974 im April in München geboren, ist Landwirt aus Leidenschaft, nicht aus Tradition; gemeinsam mit seiner Frau Maria und drei Kindern bewirtschaftet er den Boarhof, einen Bio-Bauernhof, am Tegernsee. Er lässt praktische Tipps ebenso unaufgeregt einfließen wie Recherchen zum Bruttosozialglück, zu EU-Verordnungen, zur Globalisierung sowie zur Tradition der biologischen Landwirtschaft. Da möchte man hin, zu denen und gleich richtig mit anpacken.

 

 

Markus Bogner:

Selbst denken, selbst machen, selbst versorgen.

Ein Bauer zeigt, wie’s geht.

München: oekom Verlag 2016.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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