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6. Jänner: ...gepflegte Schwätzchen...

Liege auf dem Sofa, der oberste Hosenknopf ist offen, die Haut über dem Bauch und dem Zweitbauch spannt, und draußen scheint die Sonne. Ich kann mich trotz der Temperaturen und des Unwohlgefühles nach der Stelze zu keinem Spaziergang aufraffen. Obwohl ich mir durchaus vorstellen kann, in den nächsten Tagen meine kleinen Gesundheitsrunden durch die Siedlung wieder aufzunehmen. Der Alltag samt seiner Alltagsgewohnheiten ist greifbar nah.

Und noch eine liebe Alltagsgewohnheit rückt in greifbare Nähe: Morgen, wenn alle wieder ihrem geschäftigen Tagwerk nachgehen, ist auch wieder Kaffeehauszeit! Ich liebe es, am späten Vormittag im Kaffeehaus meiner Träume herumzublicken, ob ich ein bekanntes Gesicht erspähe. Erspähe ich, und freu mich auch über das bekannte Gesicht (kann durchaus ja einmal ein blödes Gesicht sein, über das ich mich nicht freue), steht einem gepflegten Schwätzchen nichts mehr im Wege. Man fragt sich gegenseitig, wie es einem geht, nimmt Anteil am Kleinkrieg mit der Schwiegermutter oder der Nachbarin mit dem um Mitternacht bellenden Hund, teilt sich eine Cremeschnitte („ganz unmöglich, eine Ganze, jetzt, wo der Rock so spannt…“), und spricht die Tagespolitik durch, die man im Grunde viel umsichtiger gestalten würde wie die derzeit Regierenden. Dann doch Menüvorschläge austauschen („alle sind so heikel, weiß gar nicht, was ich kochen soll. Was kochst denn du?“…), das Neueste von den Kindern, die in aller Welt verstreut leben, abfragen, das Thema Figur kurz streifen, und schon erhält der Tag wieder Inhalt und Struktur.

Eine Stunde im Kaffeehaus, ein Schwätzchen mit einer lieben Freundin, ein sanftes Drücken der Hand an jener Stelle des Gesprächs, wo über den kranken Vater gesprochen wird, und man fühlt sich lebendig, geliebt, wahrgenommen, vertraut mit der Welt. Es geht nichts über das Stamm-Kaffeehaus, nichts über eine zuhörende Freundin, nichts über eine gute Tasse Kaffee samt halber Cremeschnitte obendrauf, und nichts über die Gabe, sich frei reden zu können von kleinen und größeren Schatten des Tages, des Lebens. Sollten Sie mich also in nächster Zeit einmal irgendwo sitzen sehen im Kaffeehaus und Lust auf ein ausgiebiges Schwätzchen haben, setzten Sie sich zu mir, ich freue mich darüber, und teile gerne das ein oder andere Kaffeehausgeheimnis mit Ihnen. Ob ich allerdings an diesem Tag auch bereit bin, meine Cremeschnitte mit Ihnen zu teilen, möchte ich heute noch nicht versprechen…

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