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Geschichte ist nicht überall gleichzeitig

Wenn eine Journalistin vom Kaliber einer Mira Valensky zum Vietnamesen zum Essen geht, steckt man als Leserin schon mitten in der nächsten Ermittlung. Schutzgeld, eine ermordete Frau und deren Witwer Tien, der von allem Bösen nichts wissen will. Das sind die Rezepte echt scharfer Regional-Sozial-Gesellschaftskrimis. Das klingt jetzt aber so pädagogisch, das sollen Sie, liebe LeserInnen schnell vergessen: Der ist spannend, der ist auch traurig und vielfältig – dieser neue Krimi von Eva Rossmann, die mit ihren Themen nie herumeiert, sondern zur Sache kommt.

Hier der gute Koch, gut gemeint als Kompliment an die Küche, dort ein Biofuzzi, der gerade seine erste Modekollektion vorbereitet, dort Vesna, Mira Valenskys beste Freundin und dazwischen Miras Ehemann Oskar, daneben auch noch Wirtschaftsanwalt. Wer ist die in Wien auf offener Straße ermordete Vietnamesin? Was will Tien verheimlichen? Wer steckt hinter dem Auftragsmord? Mira gibt in ihrer Redaktion erst einmal eine Home-Story über alte Katzen ab und hat sich damit eine Woche verschafft, in der sie ruhig ermitteln kann. Klar, verdeckt und nur mit Vesnas Hilfe, versteht sich doch. Miras Katzengeschichte kommt klarerweise gut an, denn Tiergeschichten mag das Publikum halt lieber als Reportagen über Textilfabriken und TextilarbeiterInnen, die wie SklavInnen schuften müssen.

Es gibt große Marken, die kümmern unsere Arbeitsbedingungen gar nicht. Die geben einen Maßnahmenkatalog ab, lassen ihn unterschreiben und das ist es. Sie wollen ihre Ware. Billig und zum bestellten Termin. Und wenn das nicht klappt, dann kriegt eine andere Firma den nächsten Auftrag. Die Konkurrenz ist hart und unsere Gewinnspannen sind nicht besonders hoch.

 

Von der Küche des Vietnamesen führt uns die Autorin, ihres Zeichens ja auch im echten Leben Journalistin und Juristin, dazu noch echt ausgebildete Köchin, dann ins Bobo-Leben nach Leipzig. Alles ist dort bio, alles ist dort gut und man redet halt auch viel miteinander. Ob die Klamotten von „Hof-Art“ – „Hoff-Art“ auch fair produziert werden bzw. wurden? Na sicher doch! Oder doch nicht? Eva Rossmann spannt die Fäden geschickt zwischen den Textilfabriken, den Machenschaften der Menschenantreiber und dem sauberen Label „Hof-Art“ in Leipzig. Dass sich in diesem Krimi rein Katzen-technisch etwas in Miras Leben verändert, sei verraten, mehr aber nicht. Auf nach Wien, Leipzig, Hanoi und Bangkok, die Fäden sind gelegt.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie den Roman nicht lesen: Ihr schlechtes Gewissen, was die Produktion der billigen und auch der teuren Klamotten angeht, die wir in Europa so kaufen. Spannung, gute Rezepte, Verriss der Bobo-Welt, einen Schuss Wut über die allgemein bekannten Produktionsbedingungen, Trauer über … Sie wissen schon, Katzengeheimnis, aber auch hier zum Schluss ein möglicher Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

 

Die Autorin Eva Rossmann bringt die Dinge auf den Punkt, fackelt nicht lang herum und bringt ihre LeserInnen zum Nachdenken, wie es sich ambitionierte FachbuchautorInnen nur wünschen können.

 

 

Eva Rossmann:

Fadenkreuz.

Ein Mira-Valensky-Krimi.

Wien – Bozen: Folio Verlag 2015.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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