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In Weißrussland gibt es für viele Menschen 
mit Beeinträchtigung noch niemanden, der sie an der Hand nimmt und fördert. Im „Kinderdorf Gomel“ soll sich das jetzt ändern. Das Weihnachtsprojekt von 
„Welt der Frau“ unterstützt dieses Dorf.

Zum ersten Mal in meinem Leben kümmert sich jemand um uns!“ Olga ist gerührt, als sie sich bei Sigried Spindlbeck, der Mitarbeiterin der Caritas Oberösterreich, bedankt. Die Weißrussin lebt mit ihrem schwerbehinderten Sohn Ilja in der Stadt Gomel. Wegen seiner mehrfachen Beeinträchtigung gilt ihr Kind als nicht beschulbar. Einmal pro Woche kommt eine „Defektologin“ ins Haus, die mit Ilja einfache Übungen macht. Über all die Jahre war nicht daran zu denken, ihn überhaupt außer Haus zu bringen. Erst seit die freiwilligen HelferInnen der Caritas Gomel das schmale Stiegenhaus zu Olga in den fünften Stock hinauf ganz sportlich nehmen und Ilja hinauf- und hinuntertragen, hat sich das geändert.

LANGE WARTELISTEN
An jedem zweiten Samstag ist der 18-Jährige nun Gast im Kinderdorf. Dort ist er nicht nur unter Menschen, er wird auch gefördert und lernt mehr als in den Jahren zuvor. Olga nimmt sich diese Samstage frei und hat ein wenig Zeit für sich selbst. Sie besucht Freundinnen, versorgt den Haushalt oder geht einfach nur spazieren.

Ilja ist einer von über 300 Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigung, die in der weißrussischen Stadt Gomel daheim bei ihren Eltern leben, meist ist es die Mutter alleine, denn viele Ehen scheitern an der Belastung durch ein behindertes Kind.

Der Staat hat wenig Mittel und ein erst langsam erwachendes Bewusstsein für die Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe. Zwar nähert sich das Land langsam europäischen Standards an, hat die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigung kürzlich unterzeichnet und auch einen nationalen Plan für die Inklusion Behinderter entwickelt, aber in der Realität gibt es noch immer wenig konkrete Unterstützung. In sogenannten „Korrektionszentren“ gibt es lange Wartelisten für wenig Therapie.

SCHRITT FÜR SCHRITT
Das „Kinderdorf Gomel“, das von der österreichischen und weißrussischen Caritas aufgebaut wurde, ist ein Leuchtturmprojekt. Es zeigt, was möglich ist: Für 54 Menschen mit Beeinträchtigung wurde ein Wohnplatz geschaffen. Nun soll in einem nächsten Schritt die Tagesbetreuung ausgebaut werden. „Wir wollen eine integrative Schule, Beschäftigungsmöglichkeiten und Therapien schaffen für insgesamt 300 Kinder, junge Erwachsene und Erwachsene“, erläutert Sigried Spindlbeck. Für 2018 ist der Start des Zentrums auf dem Areal des Kinderdorfes geplant, ab 2020 soll dann der Betrieb aufgenommen werden. Der Staat Weißrussland hat bereits zugesagt, die dann anfallenden laufenden Ausgaben zu übernehmen.

DIE SAAT WÄCHST
Rückgrat des Projektes sind geistliche Schwestern aus Polen. Sie sind seit Anbeginn im „Kinderdorf Gomel“ mit dabei. „Die Benediktinerinnen haben nicht nur fachliches Know-how eingebracht, sondern die Haltung zu beeinträchtigten Menschen verändert“, sagt Sigried Spindlbeck. „Sie behandeln die Kinder und jungen Erwachsenen mit Respekt und Würde und fördern sie ihren Fähigkeiten entsprechend.“ Damit diese Saat weiterwachsen kann und Früchte der Menschlichkeit in einem der ärmsten Länder Europas aufgehen lässt, braucht es Unterstützung. 

Beeinträchtigte Kinder erleben in der ­Obhut des Kinderdorfes eine ­Förderung, die sie bisher noch nicht erlebt haben. Bisher wurden sie von „Defektologen“ betreut und in „Korrektions­zentren“ nur sehr selten therapiert. Viele Mütter konnten kaum etwas für die Entwicklung ihrer Kinder tun, weil ihnen Geld und Einrichtungen fehlten. Das Angebot der ­Caritas schafft neue Standards und eine respektvolle Haltung.

Unterstützen Sie bitte

Mütter und Kinder in Weißrussland

Gomel ist eine Stadt im Süden Weißrusslands. Lange Zeit nach der Katastrophe von Tschernobyl, die viele Kinder gesundheitlich schwer geschädigt hat, kommen nun die Menschen mit Behinderung in den Blick. Für sie schafft die lokale Caritas nach einem Kinderdorf ein Zentrum für Therapie, Schule und Beschäftigung. Dieses fördert die jungen Menschen mit Beeinträchtigung auf vielfältige Weise, und es entlastet vor allem die Mütter, die bisher mit ihren Kindern sehr oft alleine gelassen worden sind.

Spenden für das Therapiezentrum in Gomel:

IBAN: AT24 2032 0025 0001 1115
BIC: ASPKAT2LXXX
Kennwort: „Hilfe für beeinträchtigte Kinder und ihre Mütter in Weißrussland“

Erschienen in „Welt der Frau“ 12/17