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Glück kann auch eine Lebenshaltung sein

Wir kennen ihn, den Klassiker von Janosch „Wo geht’s hier nach Panama?“ Ja, Panama, das wissen wir aus diesem Bilderbuch, riecht nach Bananen. Ob Maike van den Boom Janosch gelesen hat, wissen wir nicht, aber ihr Buchtitel „Wo geht’s denn hier zum Glück“ zeigt am Cover auch gleich einen Wegweiser, auf dem Panama steht. Im Ernst jetzt aber: Die studierte Kunstpädagogin hat die 13 glücklichsten Länder der Welt bereist, als Grundlage für ihre Reiseroute nahm sie die „World Database of Happiness“ von Professor Ruut Veenhoven von der Erasmus-Universität Rotterdam, ein Pionier der Glücksforschung. Die 13 glücklichsten Länder der Welt sind: Panama, Island, Schweiz, Finnland, Dänemark, Schweden, Australien, Luxemburg, Mexiko, Norwegen, Kolumbien, Costa Rica und Kanada.

Wenn wir jetzt einmal typisch reagieren möchten, dann könnten wir sagen: Klar, Schweiz, da ist das Geld. Ja, Costa Rica, da scheint die Sonne! Finnland, eh klar, die lesen so gut und schwitzen so fein. Aber was sagen wir zu Kolumbien? Zu Island und seinem Staatsbankrott, von den dunklen Tagen wollen wir jetzt mal gar nicht anfangen. Die Reisende und Forschende zum Thema Glück als Lebenshaltung hat in jedem der 13 Länder WissenschaftlerInnen, die sich speziell mit „Glück“ befassen, getroffen, dann ganz „normale“ Menschen, SlumbewohnerInnen, MüllsammlerInnen, VerkäuferInnen, RestaurantbesitzerInnen und –mitarbeiterInnen, ManagerInnen – quer durch, sowie stets einen „ausländischen“ Bewohner, konkret Auslandsdeutsche oder deutsche KorrespondentInnen. Ihnen allen hat sie die Frage gestellt und auch alle Interviews in Wort und Bild aufgenommen: Was würden Sie den Deutschen in punkto Glück raten? Da fühlen sich ÖsterreicherInnen vielleicht auch mitgemeint, wenn sie auf hohem Niveau jammern, gern das Negative in den Fokus rücken und überhaupt so halt sind, wie sie sind. Die Leitfrage der Reise war auch „Gibt es einen kulturellen Anteil am Glück?“: Die Antwort lautet ja, und lesend erkennt man, wie viel DänInnen, IsländerInnen, NorwegerInnen und FinnInnen, ja, halt wieder die Skandinavier – wo geht’s hier nach Bullerbü!!! – glücklich sein wollen, weil Glücklichsein für sie ein Wert ist. Mit der Familie und mit Freunden zusammen zu sein, ist nicht auf ein Stündchen am Sonntagnachmittag bemessen, es ist ein Grundwert an sich.

Wir Dänen sind lächerlich ehrlich, du kannst uns einfach vertrauen! Auch gegenüber Unbekannten verhalten wir uns vertrauenswürdig. Wenn du einem anderen Menschen vertrauensvoll begegnest, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Mensch auch vertrauenswürdig verhält. Aber du musst den ersten Schritt machen. Es geht in beide Richtungen.

Maike van den Boom will nicht das flüchtige Glückgefühl einsammeln, sondern jene Werte finden und erklären, die Menschen dauerhaft glücklich machen: „Glück ist ganz unspektakulär und nur das Ergebnis dessen, was wir täglich mit unserem Leben anstellen und welche Werte wir wirklich leben.“ Der Mensch also im Kontext der Gemeinschaft und ihrer Werte wie Respekt, Gleichheit, wenig Abgrenzung durch Hierarchie, Status oder Besitz, das auch in der Kultur der Unternehmen Niederschlag finden soll und damit wieder bei uns Menschen, die viel Lebenszeit in Unternehmen verbringen.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Witz, Charme, Reiseflair, kluge Aussagen, witzige Szenen wie Kirschenessen mit Dr. Gerald Hüther, dem berühmten Hirnforscher und nettem Menschen, Erkenntnisse über andere Länder und deren Gastfreundschaft.

 

Die Autorin sagt „Zum Glück gibt’s Werte“ und vermittelt ihr Credo als Rednerin und Trainerin, sie plant eine zweite Reise, in der es verstärkt um die Unternehmenskultur und Glück geht.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“

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