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Granny Award Lobrede auf die Großeltern

Großeltern, die zum Babysitten schnell mal nach Peking jetten?

Klingt verrückt, ist aber in Zeiten der Globalisierung ein gar nicht mehr so seltenes Phänomen.

Unter den Kindern unserer Freunde sind viele darunter, die hoch qualifizierte Berufe ausüben und die es dabei irgendwann einmal in die Ferne gezogen hat. So ist die Tochter einer unserer Freunde beruflich nach Peking gegangen, hat dort Familie gegründet und nach einem Sohn gleich noch Zwillinge bekommen. Klar, dass ihre Eltern sie unterstützen! Sie setzen sich in den ersten Flieger und bleiben gleich einmal für ein paar Wochen bei der Jungfamilie. Und das wiederholt sich in unregelmäßigen Abständen. Bis dann vor einem Jahr die Tochter mit Familie nach Pressbaum zog. Jetzt wird der Weg nach Pressbaum oder umgekehrt umso öfter mit dem Auto zurückgelegt.

Einer anderen Freundin erging es ähnlich. Ihre Tochter arbeitete lange Zeit in Deutschland. Dort bekam sie Zwillinge. Für einige Zeit flog die stolze und bemühte Omi regelmäßig alle zwei Wochen nach Wiesbaden, um ihre Enkelkinder zu sehen und der Jungfamilie zur Seite zu stehen. Später musste sie nach Krakau fliegen, wohin ihre Tochter inzwischen ihren Wohnsitz verlegt hatte.

Glück für die, deren Kinder und Enkelkinder zumindest mit dem Auto oder Zug erreichbar sind. Ein befreundetes Ehepaar fuhr zwei Jahre lang alle zwei Wochen für einige Tage nach Wien, um den Kleinen von der Krippe abzuholen und zu betreuen, bis die Eltern nach Hause kamen. Die andere Oma, die aus Vorarlberg stammt, wohnte die übrige Zeit in Wien, sodass der Kleine durchgehend Nachmittagsbetreuung hatte. Und jetzt gerade ist das nächste Enkelkind in die Kinderkrippe gekommen, die beiden Großeltern stehen schon wieder bereit!

Meine Freundin Vera betreute jahrelang die Kinder ihrer in der Nähe wohnenden Tochter mit. Jetzt sind die beiden Mädels flügge, dafür hat die andere Tochter einen kleinen Sohn, mit dem sie in Wien lebt.

Und da kann es dann passieren, dass sie sich mit Kleinkind bei den Eltern anmeldet und sie bittet, den Kinderwagen zum Bahnhof mitzubringen. Zu dumm, dass dieser sich aber einfach nicht zerlegen lässt, um in das Auto gepackt werden zu können. Schwitzend werden alle Knöpfe gedrückt, alle Hebel bewegt, alle Laschen gezogen, ohne Erfolg! Sämtliche Nachbarn werden herbeigerufen und unzählige Telefonate mit Wien geführt, bis nach ewigem Herumwerken plötzlich der Kinderwagen zusammenklappt – und mit ihm beinahe auch die erschöpften Großeltern. Inzwischen ist es allerhöchste Zeit für den Zug und die Oma einem Schwächeanfall nahe. Aber was tun verliebte Großeltern nicht alles für die Enkelkinder!

Und da ist noch die befreundete Familie, deren Enkelkinder – ebenfalls Zwillinge – in München leben und die Oma seit deren Geburt häufig in München anzutreffen ist. Der Opa hat zum Glück die Gitarre, die er täglich stundenlang spielt, wenn er wieder alleine ist.

Ein besonderer Fall ist auch unsere eigene Gasttochter, eine Austauschschülerin aus Argentinien, die ihr Glück in Wien fand, mit ihrem Mann nach Singapur ging, dort ihre zwei entzückenden Mädels bekam und jetzt wieder in Wien lebt. Gerade sind die Großeltern aus Argentinien zu Besuch, selbstverständlich waren sie davor auch in Singapur. Ich weiß nicht, ob es noch eine größere Entfernung gibt, um seine Enkelkinder zu sehen als von Buenos Aires nach Singapur?

Auch ich habe jahrelang die selbstlose Unterstützung meiner Eltern für mein Kind gehabt. Meine Mutter hat sogar für drei Jahre ihren Beruf aufgegeben, um meine Tochter vormittags zu betreuen. Dass sie dadurch weniger Pension bekommen würde, war mir zum damaligen Zeitpunkt nicht bewusst. Sie hat es nie als Opfer gesehen, sie und mein Vater haben es geliebt, bei ihrem Enkelkind zu sein. Ich habe es aber für zu selbstverständlich gehalten. Heute weiß ich das umso mehr zu schätzen!

Und weil ich es großartig finde, was Großeltern alles unternehmen, um ihre Kinder zu unterstützen und ihren Enkelkindern nahe zu sein, meine ich, dass es gleich dem Grammy Award unbedingt auch einen Granny Award geben müsste!

 

Anneliese Pflügelmayr

arbeitete als Pädagogin und Mediatorin. Zuletzt war sie an der Pädagogischen Hochschule OÖ tätig, wo sie Deutschdidaktik unterrichtete und gemeinsam mit KollegInnen einen Lehrgang für Peermediation aufbaute. Seit einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA engagiert sie sich als Freiwillige für Jugendaustausch und diverse Sozialprojekte. Kommunikation und Begegnung mit Menschen sind ihr wichtig. In ihren Beiträgen wirft sie einen augenzwinkernden Blick auf das Alltagsleben als Seniorin, in dem sich vielleicht auch so manche Leserin wiederfindet.
Ihre Devise: Mit kritischer Distanz und Humor sollte sich doch das Älterwerden etwas leichter bewerkstelligen lassen!

Kommentare

One thought on “Granny Award Lobrede auf die Großeltern”

  1. Renate sagt:

    Liebe Liesl,von Zeit zu Zeit lese ich deine Geschichten und freu mich immer über etwas Neues.
    Dieser Artikel ist dir besonders gut gelungen. Ich kann mich gut in das Engagement der Großmütter versetzen, das du so würdigst und wirklichkeitstreu beschreibst. Wahrscheinlich würde ich auch um die halbe Welt reisen um sie zu betreuen, wenn ich welche hätte!
    Passende, nette Fotos begleiten deinen Blog und runden ihn optisch ab.
    Herzlichen Glückwunsch, lg Renate

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