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Grün, grün, grün sind alle unsere Kleider
Mit Sackkleidern und Latzhosen hat nachhaltige Mode längst nichts mehr zu tun – das zeigt auch die öko-faire Mode, präsentiert von „Welt der Frau“ – Redakteurinnen. Immer mehr Designer verbinden stylishe Schnitte mit sozialer Verantwortung. Warum es sich lohnt, auch bei Kleidung ökologisch und fair zu kaufen.

Während die Ökopioniere früher Latzhosen, Birkenstock und sackartige Kleider in knittriger Leinenoptik trugen, kommen bewusste KonsumentInnen von heute mit stylishen Schnitten, angesagten Farben und Designerklamotten daher. Ökomode hat längst die Laufstege der großen Modemessen in Paris und Berlin erobert, und Modeschulen bieten „nachhaltige Designstrategien“ für die KundInnen von morgen an. Doch obwohl ökologisch und fair produzierte Kleidung in den vergangenen zehn Jahren enorm zugelegt hat, ist sie nach wie vor ein Nischenprodukt. Laut der deutschen „Gesellschaft für Konsumforschung“ macht Ökomode nur knapp vier Prozent des Bekleidungsmarktes aus. Warum greifen wir ganz selbstverständlich zur Biomilch und sind bei grüner Mode so zurückhaltend?

Ingrid Gumpelmaier-Grandl hat das öko-faire Modelabel „Fairytale Fashion“ gegründet. Sie veranstaltet immer wieder Modeschauen in ländlicher Umgebung und hört dort Kommentare wie „Das ist ja eh total fesch“. Scheinbar haften grüner Mode immer noch manche Vorurteile an, wie etwa das Jutesack-Image.

oeko-Modo_Maybach_3ZU TEUER?
Was hält Menschen ab, öko-faire Kleidung zu kaufen? Eine kleine Umfrage unter Bekannten zeigt: Viele finden ökologisch und fair produzierte Kleidung sehr gut. In den Kleiderschränken finden sich jedoch nur wenige „grüne“ T-Shirts, Jeans und Kleider.

„Mich schrecken die hohen Preise ab“, meint etwa eine Kollegin. Lisa Muhr, die vor zehn Jahren gemeinsam mit Igor Sapic und zwei weiteren Designer-KollegInnen Österreichs erstes öko-faires Modelabel, „Göttin des Glücks“, gegründet hat, kennt das. „Aber wenn man rechnet, dass ein konventionelles T-Shirt um 5,00 oder 10,00 Euro nach dreimaligem Waschen Löcher hat, dann kommt das teurer als ein qualitativ hochwertiges öko-faires Shirt, das man drei bis fünf Jahre anziehen kann.“

Wer trotzdem keine 40,00 oder 50,00 Euro für ein öko-faires T-Shirt ausgeben kann oder will, der kann Shirts aus Biobaumwolle zu günstigeren Preisen auch beim Diskonter oder bei einer der großen Modeketten kaufen. Aber ist da wirklich „Bio“ drinnen bei dem Preis? „Ja“, versichert Kirsten Brodde, Eco-Textilexpertin bei Greenpeace. Allerdings sagt Biobaumwolle allein noch nichts aus über die Arbeitsbedingungen, unter denen das T-Shirt hergestellt wurde, und auch nichts über die Chemikalien, die zum Färben oder Weben verwendet wurden. In ihrem Buch „Saubere Sachen. Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt“ rechnet die Autorin vor, dass in einem herkömmlichen T-Shirt rund 150 Gramm Pestizide stecken – also so viel wie eineinhalb Tafeln Schokolade wiegen. Und da sind die Chemikalien zum Bearbeiten und Färben noch gar nicht miteingerechnet.

oeko-Modo_Maybach_2Unter welchen Bedingungen das T-Shirt hergestellt wurde, davon erfährt man in der Regel nichts. Der Großteil der Bekleidung kommt heute aus Billiglohnländern in Asien. Im Wettbewerb um KundInnen drücken die Hersteller die Preise. Kinderarbeit, Überstunden, miserable Bezahlung, Haut- und Atemwegserkrankungen der TextilarbeiterInnen sind zur Regel geworden.

GÜTESIEGEL-DSCHUNGEL
Die „Clean Clothes Kampagne“ (CCK) plädiert schon lange dafür, mehr Transparenz in die Wertschöpfungsketten zu bringen und KonsumentInnen durch bessere Kennzeichnung zu unterstützen. Der „Firmen-Check“ (www.cleanclothes.at/firmen-check) bewertet und analysiert bekannte Markenfirmen, und der „Label-Check“ gibt Auskunft darüber, auf welche Gütesiegel KonsumentInnen beim Einkauf achten können. Bei insgesamt 21 gelisteten Gütesiegeln ist die Orientierung jedoch nicht so einfach.

Lesen Sie den vollständigen Text in der Printausgabe.

Die Gütesiegel

OEKO-TEX_100+_1000_120MM_160810Öko-Tex-Standard 100, 100 plus, 1.000: Der Fokus liegt bei Öko-Tex auf einem schadstofffreien Endprodukt. Das Siegel definiert keine Kriterien für eine ökologisch nachhaltige Produktion von Textilien und Bekleidung. www.oeko-tex.com

50_EarthTalkBluesign_kleinBluesign: Der Textil-Industriestandard „bluesign“ deckt bei Produkten aus synthetischen Fasern die gesamte Produktionskette ab. Bei Produkten aus Naturfasern werden alle Verarbeitungsschritte nach der Fasergewinnung abgedeckt. Soziale Mindeststandards werden nicht überprüft. www.bluesign.com

50_fwflogo-webrgb-large 3_kleinDie „Fair Wear Foundation“ (FWF) ist eine Vereinigung verschiedener Akteure, die die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Kleidungs- und Textilindustrie zum Ziel hat. Die Stiftung überprüft, ob die beigetretenen Firmen die Richtlinien der FWF in ihrer Produktion umsetzen. www.fairwear.org

51_2000px-Flag_of_ILO_kleinILO: Die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verbieten Zwangsarbeit und Kinderarbeit, garantieren das Recht, Gewerkschaften zu bilden, fordern Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern, untersagen jegliche Form von Diskriminierung und umfassen soziale Mindeststandards. www.ilo.org.

51_FairTrade-Logo_kleinFAIRTRADE Certified Cotton: Das Gütesiegel garantiert faire Arbeitsbedingungen, Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz und Mindestpreise für Baumwolle und die ILO-Kernarbeitsnormen. Fairtrade-Produkte sind nicht zwingend aus biologisch angebauter Baumwolle hergestellt. www.fairtrade.at

51_GOTS_kleinGOTS (Global Organic Textile Standard): Bestes und umfassendes Zeichen für Ökotextilien. Berücksichtigt werden neben dem ökologischen Anbau alle weiteren Produktionsschritte. Grundlage für Sozialauflagen ist die ILO-Konvention, ergänzt um die Zahlung existenzsichernder Löhne. www.global-standard.org

(Quelle: Label-Check „Clean Clothes“, „Saubere Sachen“ von Kirsten Brodde)

Die Labels

„anzüglich“: Modemacherin Bawi Koszednar designt und produziert unter ihrem Label „anzüglich – organic and fair“ ihre Kollektionen im peruanischen Cusco. In der eigenen Manufaktur sind größtenteils gehörlose Frauen angestellt. www.anzueglich.at

„Vega Nova“: Die fußgerechten Schuhe werden in Europa möglichst nachhaltig produziert. www.veganova.at

„km/a“-Mode: Katha Harrer und Michael Ellinger entwerfen und produzieren Unikate aus meist ungewöhnlichen Materialien. www.kmamode.com

„Bergluft“: Eva-Maria Naderhirn will mit ihrem Label „Bergluft“ zeigen, dass Tracht nicht heißen muss, ein Dirndl zu tragen, sondern auch auf eine ganz andere Art und Weise interpretiert werden kann. Für ihre Kleidung verwendet die 30-jährige Oberösterreicherin GOTS-zertifizierte Stoffe sowie Stoffe von österreichischen Webereien. www.berg-luft.at

„Salon:Fähig“: In Anlehnung an die japanische Kimono-Tradition entwerfen Nina Wiplinger und Klaus Rink ­Yukatas. Darüber hinaus gibt es in ihrem Atelier „Salon:Fähig“ Gestricktes und Genähtes. Jedes Produkt wird in Österreich von Hand gefertigt. www.salonfähig.at.

„Göttin des Glücks“ wurde vor zehn Jahren von Lisa Muhr, Igor Sapic und zwei Designer-KollegInnen als Österreichs erstes Modelabel gegründet, das ­Fairtrade- und GOTS-zertifiziert nachhaltige Mode aus Biobaumwolle mit humorvollen Sprüchen für Damen, Herren und Kinder bietet. www.goettindesgluecks.com

„emens“: „emens wear“ fertigt nachhaltige Jeans aus Biodenim, T-Shirts und Gürtel aus alten Radreifen. Die Lieblingsjeans kann man kopieren lassen, Wartezeit zwei bis neun Wochen, Kosten circa 140,00 bis 150,00 Euro. www.emens.at

„Fairytale Fashion“: Irene Gumpelmaier-Grandl hat vor sieben Jahren das „Fair Trade“-Label „Fairytale Fashion“ gegründet. Die Damenmode, überwiegend aus Biobaumwolle, ist in den Größen XS bis 3XL erhältlich und wird in Kathmandu, Nepal, produziert. Traditionelle nepalesische Sticktechnik wird dabei mit europäischem Design kombiniert. www.fairytale-fashion.at

„goodrun“: Die Schmuckstücke aus Bronze und Silber sind von der Natur inspiriert und werden von Gudrun Stolz in ihrer Werkstatt in Altenberg bei Linz entworfen und gefertigt. www.goodrun.at

 Erschienen in „Welt der Frau“ 03/17 – von Julia Langeneder