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Jänner 2014
Tipps unserer ExpertInnen zu Partnerschaft, Erziehung und Beruf

„Räum doch endlich das Zimmer auf!“

Ich verstehe nicht“, sagt die Mutter von Ralph, 11, und Mario, 8, „wie sich die beiden in ihren Sauställen wohlfühlen.“ Wenn sie die Zimmer ihrer Kinder betrete, dann treffe sie fast „der Schlag“. Warum diese Unordnung?

Wenn man die zahllosen elterlichen Klagen über unaufgeräumte Zimmer betrachtet, könnte man daraus schließen: Ordentliche Kinder gibt es – aber selten. Kinder empfinden sich dagegen nicht als schlampig, sie haben nur ein eigenes Ordnungssystem. Sie haben sehr genaue Vorstellungen davon, wo Gegenstände zu finden sind. Selbst im größten Durcheinander, wenn alles undurchschaubar und unübersichtlich scheint, folgen Kinder einem nur für sie erkennbaren Ordnungssystem, entdecken zielsicher jene Dinge, die sie brauchen.

Eltern gehen mit der Unordnung der Kinder widersprüchlich um. Mal lieben sie ihre kleinen ChaotInnen, weil sie selber gut drauf sind. Mal flippen sie schon bei jeder Kleinigkeit aus, machen aus einer Mücke einen Elefanten, formulieren Sätze in Ewigkeitsdimensionen („Räumt ihr denn niemals auf!“), nur weil ihnen eine Laus über die Leber gelaufen ist. Ordnung hat eine praktisch-ästhetische Seite – das fühlen auch Kinder.

Als beim zehnjährigen Arne zum ersten Mal seine Freundin Beatrice auftauchte, verwandelte er sich in einen Putzteufel; und als die achtjährige Susanne es in ihrem unaufgeräumten Zimmer zu ungemütlich fand, kam sie selber auf die Idee, etwas mehr Wohnlichkeit zu verbreiten. Als Johannes seinen Atlas nicht mehr wiederfand, der im unendlichen Chaos seines Zimmers verschwunden war, und er selber für die anfallenden Kosten aufkommen musste („Das schöne Taschengeld!“, fluchte er, das müsse er nun „für so ’n Mistatlas ausgeben“), ordnete er zumindest seine Schulsachen an einen bestimmten Platz.

Jan-Uwe Rogge ist Erziehungsberater und Autor zahlreicher Bücher.

 

Gute Fragen und kluge Antworten

Weitere gute Fragen und kluge Antworten zu den Themen Beziehung und Erziehung lesen Sie in der „Welt der Frau“-Ausgabe 01/14. Wenn auch Sie eine Frage haben, die Ihnen schon lange unter den Nägeln brennt, schreiben Sie uns! fragen@welt-der-frau.at

 

Erschienen in „Welt der Frau“ 01/14 – von Jan-Uwe Rogge