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Heiße Themen in Keplers Salon
Ungewöhnliche Fragen, außergewöhnliches Ambiente, der Kepler Salon erfreut sich in Linz im bald sechsten Jahres eines Bestehens ungebrochen großer Beliebtheit.

Um zum Kepler Salon zu kommen, biegt man am besten vom Linzer Hauptplatz in die Rathausgasse, widersteht der Versuchung, beim „Leberkäs‘ Pepi“ hängen zu bleiben, und konzentriert sich auf das nächste Haus auf der linken Seite. Wenn im ersten Stock Licht brennt, hat man es gut: Der Salon ist geöffnet.

Zum Kepler Salon führen steile Steinstufen empor. Der große Raum im ersten Stock ist locker bestuhlt. Wer referiert sitzt in der Fensternische. Begleitet von einer Gastgeberin, einem Gastgeber, darf er rund eine halbe Stunde erzählen, was er zu seinem Thema sagen möchte. Danach ist das Publikum an der Reihe. Bis pünktlich um 21 Uhr darf es nun kommentieren, ergänzen, fragen, kritisieren, philosophieren, lamentieren, die Welt neu erfinden oder sich seiner Ratlosigkeit stellen. Für viele Wissenschafter ist der Kepler Salon eine ganz neue Erfahrung – im Blickkontakt auf zwei Meter merkt jeder, ob er anschaulich genug gesprochen und erklärt hat. Und das Feedback ist unmittelbar, Spezialistenfragen inklusive.

Dort, wo einst der berühmte Astronom Johannes Kepler in der Linzer Altstadt gewohnt hat, zumindest vermutlich, darf man auch etwas unorthodox sein. Man kann sich gerne etwas zu trinken holen, es ist erlaubt zwischendurch zu kommen oder zu gehen, Themenwünsche kann man schnell auf Tafeln notieren und den einfachen Hocker zieht man sich einfach dort hin, wo man am besten sieht.

Der Kepler Salon steht in Linz seit 2009, da war die oberösterreische Landeshauptstadt gerade Kulturhauptstadt Europas, für einen offenen Geist, für unkompliziertes Debattieren auf Augenhöhe und eine wunderbare Wissensvermehrung in vielen Bereichen. Ob Naturwissenschaften – sämtliche Wittgenstein-Preisträger haben im Salon schon referiert -, ob Politik – so musste sich Alfred Gusenbauer  zu seiner Kasachstan-Connection peinlich befragen lassen -, ob Kunst oder Philosophie, Architektur oder Stadtentwicklung, alles, was interessiert, kann zum Programm werden.

Etwas ungewöhnlich ist der derzeitige Progammchef Norbert Trawöger zum Salon gekommen. Der Querflötist war mit dem Komponisten Balduin Sulzer im Salon zu Gast und hörte bei der Gelegenheit, dass die bisherige Programmleiterin Iris Mayr aufhört. Kurzerhand hat er sich beworben: „Weil ich so wahnsinnig viele Fragen habe.“ Die da beispielsweise wären: Wie viel Bruckner verträgt das Land? Welche anderen Handlungsoptionen als Wahlen kann Demokratie bieten? Ist HIV eine ganz  normale Erkrankung? Oder auch: Gibt es Parallelen zwischen Quantenphysik und Körpertherapie?

Der Kepler Salon zieht je nach Thema ganz unterschiedliches Publikum an. Ein kleiner Verein lenkt die Geschicke des völlig unabhängigen Salons, ein quirliger Freundesverein rührt die Werbe- und Spendentrommel für den ungewöhnlichen Ort. Wer sagt da noch, dass ein Kulturhauptstadtjahr nicht nachhaltig sein soll!

Übrigens: Kepler Salon gibt es jeden Montag ab 19.30 Uhr. Wenn’s so richtig rappelvoll ist (ab 80 Besucher, also ziemlich oft), sollte man schon etwas früher da sein, um noch einen Sitzhocker zu ergattern. Sonst kann man noch immer an der Bar der Videoübertragung des Salons folgen. Ja, richtig, am 13. Februar wird der neue Linzer Bürgermeister Mag. Klaus Luger um 12.30 Uhr mittags im Salon zu Gast sein und auf die Frage antworten: „Woran arbeiten Sie gerade, Herr Bürgermeister?“

Wer es nicht bis Linz schafft und trotzdem klüger werden möchte: Fast alle Kepler Salons der vergangenen fünf Jahre sind auf www.kepler-salon.at als podcast nachzuhören. Nehmen Sie sich dafür bitte 28 Tage frei, wenn Sie alles wissen möchten.

Kepler Salon, Rathausgasse 5, 4020 Linz, geöffnet jeden Montag ab 18.30 Uhr, Veranstaltung um 19.30 Uhr, Eintritt frei. Programminfo: www.kepler-salon.at