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Herbstgeflüster

Im heiß geliebten Augarten mit den Füßen raschelnde Bahnen durch Blätterhaufen ziehen, die surreal schönen, warmen Herbstfarben aufsaugen, als gäbe es 10 Jahre keinen Frühling mehr. Mein Wirbelwind kuschelt sich im Tragetuch an mich, und sogar er wird still und zum Beobachter in Anbetracht dieser unglaublichen Fülle, Schönheit und Magie, die die Natur dieser Tage hervorbringt. Der Winter klopft schon an die Türen und die Morgen sind viel zu dunkel. Bald wird die Stadt unter einem graubitterkalten Sturz verschwinden und erst die Frühlingssonne wird sie wieder hervorkitzeln. Irgendwann haue ich ab im Winter, dorthin, wo es auch im Dezember und Jänner warm und sonnig ist. Vielleicht ans Meer, ganz bestimmt.

Michael besitzt ein kleines, feines Vokabular. Von Ukulele bis Auge über Kette kann er schon so Manches verbal kommunizieren. Besonders faszinierend ist für mich, dass er statt „Buch anschauen“ oder „aus dem Fenster schauen“ das Wort Auge benutzt. Er zeigt dann dort wo er hinmöchte oder bringt mir das Buch und sagt „Auge“. Woher weiß dieser kleine Knopf, dass wir mit den Augen sehen und warum versteht er diesen Zusammenhang jetzt schon? „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, möchte ich ihm erklären, dem quirligen Kleinkind, das noch wenige Monate zuvor nur in meinem Leib existierte. Antoine de Saint-Exupérys Zitat aus „Der Kleine Prinz“ begleitet mich schon lange. Meine über alles geliebte Volksschullehrerin schrieb ihn mir damals in Stammbuch in kunstfertiger Kalligrafie. Er gab mir Rätsel auf, aber schon als kleines Kind verstand ich eine Art Sinn darin, außer im Zitieren selbst: ich dachte immer, meine Volksschullehrerin hätte diese Weisheit erfunden. Also kleiner Schatz: Lass uns gemeinsam die Welt entdecken mit unseren Augen und Herzen!

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