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„Hey, gebt mir eine Chance!“

„Mit einer guten Ausbildung stehen dir später alle Türen offen“ – davon war Easter Sauberer-Ouma immer überzeugt. Stimmt aber leider nicht. Schon gar nicht, wenn man als Kenianerin in Österreich lebt.

Nicht aufgeben, immer dranbleiben. Dass sie nach dem Studium einen guten Job bekommen würde, war für Easter Sauberer-Ouma immer klar. Die junge Kenianerin, die in Niederösterreich verheiratet ist, beschreibt sich selbst als zielstrebig und selbstbewusst. Und das stimmt: Sie strahlt eine innere Stärke aus, von der sie sagt, dass sie sie immer „zum Weitermachen“ bewegte.

Im Herbst 2014 schloss Sauberer-Ouma ihr Masterstudium in „International Business und Export Management“ an der Fachhochschule Krems ab. Davor machte sie ihren Bachelor in „Internationale Wirtschaftsbeziehungen“ an der Fachhochschule Eisenstadt. „Ein Job im Export, Import oder Marketing würde mir sehr gefallen“, sagt sie. Ihre Qualifikationen umfassten alles, was heutzutage im Berufsleben gefordert werde. Eine Chance bekommt Sauberer-Ouma trotz unzähliger Bewerbungen nicht. 

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Easter und ihr Mann Armin halten zusammen. Doch die Arbeitslosigkeit -belastet die Ehe.

DAS „FALSCHE“ STUDIUM?
„Der Arbeitsmarkt braucht euch“ – Sauberer-Ouma ist nicht die Einzige, die solche Sätze während ihres Studiums hörte. Derzeit suchen 26.679 arbeitslose AkademikerInnen in Österreich nach einer Anstellung. Das sind 3.608 mehr als im Vorjahr. Die Gründe bei Absagen sind meist dieselben: das „falsche“ Studium, zu wenig Praxis oder „Überqualifizierung“.

Dass die 31-jährige Sauberer-Ouma keine Chance bekommt, hat aber noch einen anderen Grund: Sie ist schwarz. Ihre Hautfarbe ist für viele ArbeitgeberInnen ein Ausschlusskriterium. Bei einem Vorstellungsgespräch spielte sich Folgendes ab: „Am Telefon war die zuständige Personaldame noch sehr freundlich zu mir. Als sie mich beim Gespräch dann sah, war sie erschrocken. Sie sagte: ‚Warum haben Sie mir verschwiegen, dass Sie schwarz sind?‘“, erzählt die junge Afrikanerin ungläubig. Noch immer kann sie nicht fassen, dass ihr diese „Demütigung“ tatsächlich widerfahren ist. 

„Deutsch ist eine der schwersten Sprachen“, sagte Sauberer-Oumas Vater immer zu ihr, und davon wollte sie sich selbst überzeugen. So verließ sie mit 20, also vor über zehn Jahren, ihre afrikanische Heimat und lernte Deutsch – spielerisch leicht. Fünf Sprachen spricht sie fließend. Neben Englisch, Französisch, Suaheli und Luo auch Kroatisch. „Letzteres habe ich gelernt, um mich mit den Eltern meiner Freundin unterhalten zu können. Sie kommen aus Montenegro“, erwähnt sie und sagt auch gleich „Dobar dan!“, „Guten Tag!“, als ihre Schwiegermutter Ulli zur Tür hereinkommt, um Kaffee zu servieren.

Die 31-Jährige kümmerte sich tagsüber um Kind und Haushalt – nachts lernte sie fürs Studium.

ICH WILL ARBEITEN!
Hier, in Ulli Sauberers Haus, ist Easter regelmäßig zu Besuch. Gerade ist es düster im Esszimmer. Draußen ziehen Regenwolken auf. Das Wetter spiegelt auch Sauberer-Oumas Gefühlswelt wider. Seit einiger Zeit kämpft sie mit depressiven Phasen. Sie wisse einfach nicht, warum sie keine Chance bekomme, sagt sie, während sie nach ihrer Kaffeetasse greift. Alles, was sie wolle, sei doch nur arbeiten! Ihr Mann Armin, der neben ihr sitzt, nickt und schildert seinen Ärger darüber, wie ungerecht es sei, dass seine Frau keinen Job bekomme. Jetzt laufen Easter Sauberer-Ouma Tränen übers Gesicht. Unbeholfen sieht ihr Mann sie an. Er wirkt unschlüssig, ob er sie trösten oder weitererzählen soll. Oft habe er sie nach Absagen aufgebaut. Mittlerweile könne auch er nicht mehr, sagt der Junglehrer…

Lesen Sie weiter in der Printausgabe  „Welt der Frau“ 04/16

Erschienen in „Welt der Frau“ 04/16 – von Sophia Lang