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Ich bau' dir ein Nest

Lebensentwürfe sind merkwürdige Angelegenheiten. Erst zimmert man sich mühselig sein Kartenhaus aus Wünschen, Träumen und Sehnsüchten zusammen, um nur immer wieder festzustellen, dass das fragile Konstrukt dem Realitätscheck nicht standhält. Von einem Moment auf den anderen scheinen gewisse Ziele nicht mehr erstrebenswert, und andere Hoffnungen werden durch den Zahn der Zeit und verstrichene Chancen zerstört. Schwarzmalerei beiseite: auch die beste Kapitänin korrigiert ihren Kurs wenn Unwetter, Eisberge oder vielleicht gar eine Insel voller Sirenen zu Tage treten. So ist das Leben, würde meine Mutter wohl sagen.

Ich will reisen, nein, ich will mich künstlerisch verwirklich, aber ein Haus im Grünen wäre nett, wir brauchen ein Auto, aber wir wollten doch noch nicht sesshaft werden, unsere Freiheit genießen, aber der Kleine braucht doch ein Nest oder ist das Nest einfach überall dort, wo ich und mein Mann sind? Als Grüblerin vom Dienst überdenke ich im Moment meine Vorstellungen von meinem verbleibenden Leben, die ich die letzten Jahre als in Stein gemeißelt betrachtet hatte. Mein Sohn hat auch diesen Lebensaspekt nicht unberührt gelassen.

Ich nehme mir vor, jede Änderung meines Lebensentwurfs fortan nicht mehr als Scheitern oder Verlust zu betrachten, sondern vielmehr als notwenige Maßnahme um mir, meinen sich immer verändernden Bedürfnissen und denen meiner Familie gerecht zu werden.

 

 

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