11

17

Aktuelle
Ausgabe:
Zum Shop
Ich darf das!

Als Schwangere im Endspurt habe ich bereits mit unzähligen gesellschaftlich etablierten Verboten und Geboten in der Schwangerschaft kämpfen müssen. Schier endlos ist die Liste dessen, wass man als Mensch mit Mensch im Bauch unterlassen soll. Dabei gibt es medizinisch durchaus sinnvolle Anregungen, dennoch ist der Großteil der Verhaltensregeln einfach sinnloser und problematischer Quatsch, der nur dazu dient, die Autonomie und Selbstverantwortung Schwangerer zu beschneiden. Unter dem Deckmäntelchen des Schutzes der Mutter und des Kindes wird Frauen nahegelegt am besten zehn Monate in Watte gepackt und den Bauch streichelnd auf dem Sofa zu verbringen. Will frau körperlich aktiv, gesellschaftlich sichtbar und nicht-schwangeren-konform agieren, hagelt es Vorwürfe und Belehrungen.

Ich habe beschlossen, mich zur Abwechslung auf die Sachen zu besinnen, die ich als Schwangere darf und dabei Bemerkenswertes festgestellt: meinen prallen Kugelbauch so richtig schön über den Hosenbund hängen lassen, in der Öffentlichkeit Aufstoßen, Schwitzen und grantig Dreinschauen, den Bauch besonders herausrecken, wenn ich in den Öffis einen Sitzplatz ergattern will, als dralles Honigkuchenpferd grinsen, weinen und mich wie eine wippende Sprungfeder geistesvergessen zu meinem Lieblingsbass bewegen, all das darf ich plötzlich!

Darüber hinaus darf ich jederzeit einen Schwächeanfall vortäuschen, mir am Pizzastand meines Vertrauens die dreifache Menge an Nahrung bestellen ohne strafende Blicke wegen meines Körperumfangs einzufangen, stundenlang rührselig kleine Kinder und Babys beobachten, ohne dass mich deren Mutter ansieht, als ob sie mich auf der Stelle einliefern lassen will. All das könnte ich als gewonnene Freiheit sehen, aber ab dem Moment, in dem mein Körper wieder nur mehr mich beheimaten wird, werden mir diese Privilegien vermutlich schlagartig wieder genommen werden. Zu schade!

Schwanger sein bedeutet nun einmal ein hohes Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit zu bekommen. Der schwangere Körper wird zum Politikum, zur Debatte und zum Austragungsort gesellschaftlicher Diskurse. Bald ist es so weit und wir werden als junge Familie in einen neuen Lebensabschnitt gleiten. Ich kann es kaum erwarten zu erleben, was diese Phase für uns verändern wird, und wie die Zeit mit unserem Kind wohlmöglich unsere Sicht auf die Welt ein für alle Mal verändern wird. Wir freuen uns so auf dich!

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.