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...im Hamsterrad...

Wie fühlen Sie sich heute? Wie eine Löwin, bereit, für ihre Jungen Beute zu reißen? Wie eine Giraffe, die königlich über allen anderen stehend Ausschau nach Neuem hält?  Vielleicht wie eine Eule, mit großen Augen nach Beute schielend, auf Nachtflug durch die Discos im Bezirk? Möglicherweise wie ein Schmetterling, von allen wegen seiner Schönheit bestaunt, von Blüte zu Blüte fliegend, und das mit einer Leichtigkeit, die unübertroffen ist? – Dann haben Sie Glück!

Ich nämlich fühle mich heute wie der Hamster im Hamsterrad. Ich wollte es Ihnen ja verheimlichen, damit Sie nicht glauben, das tägliche Bloggen hätte am End‘ eine charakterbildende, nachhaltige Wirkung bei mir gehabt was die Tugenden betrifft, doch ich stehe dazu: ich habe jetzt in Erwartung des Frühlings zwei Tage meine Behausung geputzt. Richtig geputzt, was selten genug vorkommt. Ich lief mit dem Wedel durchs Haus, kroch in jede Ecke, und hatte dabei über beide Hände Staubfangtücher gedreht (was die armen rosa Dinger alles zu fangen hatten, meiner Seel‘!), ich konnte es kaum erwarten, die Vorhänge von ihren Stangen zu reißen und in die Waschmaschine zu stopfen, und ich räumte die Socken- sowie die Unterhosenladen auf. Natürlich wischte ich auch überall und jederzeit, voll motiviert und mir selbst bei jedem Feuchtschwung versprechend, dass ich so einen Saustall, wie er gerade eben noch vorherrschte, nie mehr aufkommen lasse.

Und was soll ich sagen? Nach zwei Tagen Intensivgewische tut mir der Rücken weh, der Staubsaugarm macht sich bemerkbar (Tennisarm kann’s keiner sein, ich spielte ja nicht fröhlich Tennis, ich putzte…), und ich huste. Wahrscheinlich vom aufgenommenen Staub. Ich setze mich erschöpft und ein bisschen stolz mit einer niveauvollen Frauenzeitschrift auf die Couch. Was sehen meine feuchten Augen? Durch den Luftzug gleitet auf sehr provokante Art ein kleines Staub- und Haarbüscherl zwei Meter neben mir über den Boden. Ich hole als wieder den Wedel, wieder den Besen, und bringe das Ding zur Stecke. Einen kurzen Moment meines Lebens verschwende ich an den müßigen Gedanken, wie oft ich diese Dinge wohl schon gemacht habe, noch machen werde, und fühle mich plötzlich wie der Hamster im Hamsterrad. Wie ein armer Hamster, dreckiger Hamster, Hamster ohne Aussicht auf Begnadigung, oder Chance auf Transformation zum herumliegenden Löwen. Ach ja…

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