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In Europa ist der Hunger zurück

Die Krise zieht Kreise. In Athen sind bereits über 300.000 Menschen auf Suppenküchen angewiesen.

Ein Hof in der Athener Sofokleusstraße. Hier befindet sich die Essensausgabestelle von KYADA, einer der bekanntesten Obdachlosenschutz-Stiftungen der Stadt. Seit Griechenland in der Schuldenmisere feststeckt und immer mehr mittellos gewordene Menschen auf Gratisverpflegung angewiesen sind, wächst die Zahl solidarischer Suppenküchen. Sogar in den noblen Vororten Athens gibt es bereits welche. Gemeinschaftlich werden zusammengetragene Lebensmittel zu Brühen und Eintöpfen verkocht. Bei KYADA stillt ein Cateringservice den Hunger. 1.200 warme Mahlzeiten werden zweimal täglich bereitgestellt. Finanziert werden sie von der Stadtverwaltung und der orthodoxen sowie der anglikanischen Kirche. Sozialarbeiterin Lila Argyriadou (60) und Nationaltheater-Schauspielerin Mary Dimitriadou (65) sind freiwillige Helferinnen. Eifrig stapeln sie Lunch­pakete auf einem Tisch. Alles soll bereitstehen, wenn die hinter den Parkzäunen Wartenden gleich zu ihnen strömen. „Egal ob Flüchtlinge, Einheimische, Arbeits- und Obdachlose, Studierende oder Mütter mit Kindern: Bei uns werden alle gleich behandelt. Das sieht man an den Portionen. Niemand bekommt mehr oder weniger“, sagen Argyriadou und Dimitriadou und reichen die Aluschalen, deren Inhalt von den meisten Bedürftigen gleich im Stehen verputzt wird.

Titelbild: Die Griechinnen Lila Argyriadou und Mary Dimitriadou (rechts) verteilen Essen. Bei Wind und Wetter sind sie für ihr Land im Einsatz.

Erschienen in „Welt der Frau“ 03/16