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Jäger und Sammler

Jäger und Sammler: Lang, lang ist’s her, dass der Mensch auf diese Weise seine Nahrung beschaffte. Sollte man meinen…

„Visionär, unterhaltsam und von erzieherischem Wert“, so begründete die Jury beim vorjährigen Electrolux-Design-Lab-Wettbewerb die Entscheidung für den 1. Preis. Dieser erging an die chinesische Studentin Pan Wang mit ihrer Idee für ein von der Natur inspiriertes, virtuelles Einkaufserlebnis für Lebensmittel. Sie nennt es „Future Hunter-Gatherer“ (Jäger und Sammler der Zukunft).

Das muss man sich so vorstellen: Auf Knopfdruck schweben durch die Küche Geflügel, Fische und anderes Getier, ebenso verschiedenstes Gemüse, Obst und was man so alles auf dem Tisch haben möchte. Möglich wird dies durch ein in den Raum produziertes Hologramm. Man/frau braucht nur mehr mit einem Stab den herumfliegenden Lebensmitteln hinterherjagen und diese einfangen. Sofort werden die ausgewählten Delikatessen, wie Hirschlein, Rehlein, Pute, Karpfen & Co, digital an den lokalen Lebensmittelhändler übermittelt, der daraufhin den Warenkorb zusammenstellt und ins Haus liefert. Und ab geht’s in den Kochtopf! [1]

Das kann ich mir richtig gut vorstellen. Endlich einmal keine Kerzen- und Tupperware-Partys mehr, nein ein gemeinsamer Jagdausflug in den eigenen vier Wänden!

Da kommen wir zusammen, eine Freundesrunde, die gerne miteinander isst, und beginnen unser Abendprogramm erst einmal mit der Erstellung eines Menüplanes. Es wird zwar dabei die eine oder andere Diskussion geben, aber wir kommen ja auch zum Reden zusammen. Nun geht es ans Jagen und Sammeln. Achtung: Die Gefahr besteht, dass wir vor lauter Spaß so manches erjagen, was wir danach ganz und gar nicht brauchen können, und was uns eine gesalzene Rechnung beschert. Aber damit werden wir umgehen lernen, so wie mit den anderen digitalen Medien auch. Der Zusteller steht dann alsbald vor der Tür, wir nehmen die Ware in Empfang und los geht’s mit dem gemeinsamen Kochen. Bestimmt werden auch gleich die Rezeptvorschläge mitgeliefert, so dass das Gelingen auch einigermaßen garantiert ist. Klingt doch nach einem vergnüglichen Abend, oder?

Dieser Einkauf der Zukunft hat viele Vorteile. Wir sehen wieder die Lebensmittel in ihrer ursprünglichen Form. Wobei ich mir vorstellen kann, dass sich der Fleischkonsum drastisch verringern wird, denn wenn so ein niedliches Schweinchen durch unsere Küche läuft, könnte uns der Appetit auf Schweinebraten schnell vergehen!

Wir sind wieder aktiv bei der Beschaffung unserer Lebensmittel, was gerade für uns älteren Semester kein Nachteil ist. Doch müsste das Programm meiner Meinung nach noch in die Richtung weiterentwickelt werden, dass es uns einige Mühe bereitet, die gewünschten Zutaten für den Speiseplan einzufangen, so dass wir uns auch gleich das Fitness-Studio einsparen könnten. Und gut wäre diese Art der Kochvorbereitung auch für die Kinder. Sie sehen wieder, woher ein Stück Fleisch wirklich kommt, nämlich vom lieben ganzen Schwein – und wollen es vermutlich dann nicht mehr.

Jetzt fällt mir beim Schreiben gerade auf, dass den größten Gewinn dieser visionären Einkaufsmöglichkeit vermutlich Vegetarier und Veganer haben werden, denn der Appetit auf Fleisch könnte einem dabei wirklich vergehen. Ob das bei der Erstellung des Programms beabsichtigt war?

 

[1] Vgl.: Der Standard vom 19. November 2014

Anneliese Pflügelmayr

arbeitete als Pädagogin und Mediatorin. Zuletzt war sie an der Pädagogischen Hochschule OÖ tätig, wo sie Deutschdidaktik unterrichtete und gemeinsam mit KollegInnen einen Lehrgang für Peermediation aufbaute. Seit einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA engagiert sie sich als Freiwillige für Jugendaustausch und diverse Sozialprojekte. Kommunikation und Begegnung mit Menschen sind ihr wichtig. In ihren Beiträgen wirft sie einen augenzwinkernden Blick auf das Alltagsleben als Seniorin, in dem sich vielleicht auch so manche Leserin wiederfindet.
Ihre Devise: Mit kritischer Distanz und Humor sollte sich doch das Älterwerden etwas leichter bewerkstelligen lassen!

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