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Jedes Stück ein Unikat

Eine eigene Manufaktur, das ist der Wunsch mancher Hobbyproduzentin. Ob mit Pasta, Rosengelee oder Tofu – eine gute Idee, Mut, handwerkliches Geschick und Durchhaltevermögen sind nur ein paar Zutaten für den Erfolg. Diese fünf Frauen haben ihren Traum verwirklicht.

Wurst und Schinken

Hausgemacht und regional
Biobäuerin Böhm mit Küken

Die leidenschaftliche Biobäuerin und Fleischermeisterin Beate Böhm hat schon als kleines Mädchen hausgemachte Würstel, Erdäpfel und Kürbiskerne verkauft. Ihre Eltern haben in den 1980ern die Direktvermarktung begonnen, heute ist der Hofladen eine Fleischhauerei und Greißlerei, in der neben Frischfleisch und hofeigenen Produkten Lebensmittel aus der Region angeboten werden.

Seit 15 Jahren kümmert sich Böhm um den Hofladen, seit letztem Jahr leitet sie den gesamten Betrieb mit 35 Hektar Ackerland, 150 Schweinen und 40 Rindern. Beate Böhm schupft den Betrieb gemeinsam mit ihrem Vater. „Manchmal stoße ich an meine Grenzen“, sagt die 38-Jährige in Anbetracht des Arbeitspensums. Der 19-jährige Sohn ist noch in Ausbildung und hilft mit. Beate Böhm produziert Frankfurter, Bratwürste und viele andere Wurstsorten, Rohschinken aus dem Fleisch der Schwäbisch-Hällischen und Duroc-Schweine.

Im Winter produziert sie die beliebte Breinwurst, die mit gut einem Drittel Buchweizen hergestellt wird. Sie ist überrascht, von wie weit her die KundInnen anreisen, etwa aus Graz oder aus Eisenstadt. Viele von ihnen kennt sie jahrelang, manchen ist sie freundschaftlich verbunden.

Infos und Kontakt: 0664 344 7198

Pasta

Nach italienischem Vorbild
Pasta

Ein handwerklicher Betrieb soll auch der von Doris Wasserburger bleiben. Die Niederösterreicherin produziert auf ihrem Hof in Straß im Straßertal seit zehn Jahren Pasta. Wie es dazu kam, ähnelt der Geschichte von Ursula Palfalvi, allerdings mit italienischen Vorzeichen und dem Detail, dass die Mutter zweier Teenager davor 17 Jahre als Friseurin tätig war.

In Italien, wo KleinproduzentInnen hohe Wertschätzung genießen, findet man nahezu auf jedem Markt frische Ravioli, Tortellini, Tagliatelle. „Warum sollte das nicht auch hierzulande funktionieren?“, dachte sich Wasserburger und stellte sich mit ihren ersten selbst gemachten Ravioli auf den Kremser Markt. Heute beliefert sie neben mehreren Märkten Restaurants bis Wien mit ihren frischen Teigwaren.„Der Teig ist jede Woche anders, aber ich hab das inzwischen im Gefühl“, zeigt sich die Nudelproduzentin souverän. Bei der Grundzutat schwört sie auf italienischen Hartweizengrieß, alle übrigen Zutaten bezieht sie nach Möglichkeit aus der Umgebung. Mit einer Mitarbeiterin verarbeitet sie bis zu 500 Eier pro Woche. Neben Standardsorten gefüllter Pasta wie Ravioli mit Spinat-Ricotta-Füllung produziert sie immer auch saisonale Besonderheiten, außerdem Tagliatelle, Spaghetti und Lasagneblätter. Zurzeit ist gerade ein kleiner Hofladen im Entstehen, für KundInnen eine Möglichkeit, direkt an den Ort des Geschehens zu kommen.

www.frischepasta.at

Sojatopfen

Spezialitäten aus Taiwan
Shu-Chen Chuang

Dem Trend einen Schritt voraus war Shu-Chen Chuang (61), als sie vor Jahren begann, Tofu zu produzieren. Die gebürtige Taiwanesin lebt im Südburgenland. Eine ihrer Stärken ist Beharrlichkeit. „Wenn ich etwas möchte, mache ich das mit aller Energie und von ganzem Herzen.“ In Taiwan war Shu-Chen Kosmetikerin. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung begann sie, in Rotenturm an der Pinka gelandet, Taglilien anzubauen und die Knospen in Essig einzulegen – eine taiwanesische Spezialität. Als sie bei einem Radausflug ein Feld mit Sojabohnen bemerkte, fiel ihr der Tofu ein. Diesen „Sojatopfen“, für sie ein Stück Zuhause, wollte sie in ihre neue Heimat holen. Von der Mutter einer chinesischen Freundin holte sie sich das Know-how. Die ersten Reaktionen aus dem Bekanntenkreis auf den burgenländischen Tofu waren wenig ermutigend.

Frohnatur Shu-Chen machte weiter, lud zu Kochkursen und Verkostungen. Seit fünf Jahren steht im ehemaligen Kinderzimmer eine maßgefertigte Produktionsanlage. In aufwendiger Handarbeit entsteht hier der inzwischen wohl beste Tofu des Landes, völlig naturbelassen. Die Bohnen dafür bezieht Shu-Chen Chuang von einem Biohof aus dem Nachbardorf. Sie werden eingeweicht und gemahlen. Die nach dem Abseihen gewonnene Sojamilch wird drei Stunden gekocht, ehe sie mit Nigari, einem pflanzlichen Säuerungsmittel dickgelegt wird. Dann erst kann das gestockte Eiweiß abgeschöpft und in Form gepresst werden. Einmal wöchentlich beliefert Shu-Chen Chuang eine Biomarkt-Kette in Wien sowie einige kleine Geschäfte in der Umgebung.

Infos und Kontakt: 0699 190 10 139

Fotos: Johanna Bauer, Jutta Fischel, Dieter Brasch

Mehr dazu gibt es in der Printausgabe

Erschienen in „Welt der Frau“ 0708/17