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Karenzmami?

Die Karenzzeit ist vorbei, die Prioritäten sortieren sich neu, und die scheinbar tagtäglichen Widersprüchlichkeiten der Vereinbarkeit von Arbeit und Familienarbeit manifestieren sich deutlicher denn je. Das sprichwörtliche Kamel ist die Riesenladung Arbeit, die ich erledigen möchte, und das Nadelöhr ist die verfügbare Zeit, die nicht von Kinderbetreuung, Haushalt, Schlaf und Familienorganisatorischem konsumiert wird. Jede Woche denke ich, es wird besser, das ist nur eine Phase, und ich muss nur besser zeitwirtschaften. Es ist zwar noch kein Neujahr aber ich nehme mir hier und jetzt felsenfest vor: Prioritäten setzen! Nein sagen! Ich fühle mich wie eine Gebetsmühle, das habe ich mir doch schon öfter vorgenommen, was ist mit meinen Prioritäten passiert? Warum schleicht sich immer wieder so schnell der alltägliche zeitliche Treibsand ein?

Letztens im Elterntreff habe ich einen merkwürdigen Begriff aufgeschnappt: Karenzmami. Gemeint ist damit wohl eine Mutter, deren Kind nicht in die Kindergrippe oder zur Tagesmutter geht um wieder in den Arbeitsprozess einzusteigen, sondern deren Kind noch eine gewisse Zeit daheim bleibt. Ich verwehre mich gegen Schubladen und Stereotypen, die Frauen degradieren. Der Begriff an sich ist vielleicht nicht politisch unkorrekt, dennoch hat er für mich einen merkwürdigen Beigeschmack. Er mutet zu sehr wie Heimchen am Herd, Frauchen oder Ähnliches an. Ich werde mich auch weiterhin in meinem Umfeld und in meiner künstlerischen Arbeit dafür einsetzen, dass die Wahlfreiheit über den Lebensentwurf für Menschen keine politische Reißbrettutopie bleibt, sondern gelebte Realität werden kann und zwar ohne Begrifflichkeiten, die Menschen und ihre Entscheidungen abwerten und dadurch hierarchische Strukturen sichtbar machen.

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